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Komplexe Überfütterung
Das neue Album von Ginormous verschlägt ungewollt den Atem
Text: Jens Pacholsky
Auf »Endless Processing«, das 2006 bei Hymen Records erschien, hatte Bryan Konietzko noch in der Tiefsee des industrialisierten IDM geforscht, die Musik als ewig fluide Materie moduliert und mit Tsunami-Druckwellen überschnitten. Der Hörer tauchte geschlossenen Auges hinab und gelang nur zufällig zum Luftschnappen herauf. Ein reines, wenn auch rasantes Driften in den Strömungen. Als Ginormous begeht er auf seinem dritten Album eine ziemlich Wende. Vielmehr steht der Musiker aus Los Angeles als wuchtig ausholender Dirigent vor einer Art elektronischem HipHop-Orchester, das mindestens Tausend Mutantenköpfe zählt. In komplexen Additionen bauen die einzelnen Orchestersegmente aufeinander auf, lösen sich ab – und verdrängen sich mancherorts. Ginormous schichtet und schichtet die Notensätze, dass der Saal zu rotieren beginnt. Das dichte Fluid ist zu einem reißenden, betäubend lauten Wirbel geworden, der alle Instrumente in sich und deren Klang in die Nase, Ohren und Mund des Hörers drückt. Dieses opulente Komponieren mit den bekannt knisternden Beats, Gitarrenhalls und zerhäckselten Melodien erreicht eine recht komplexe Form des Songwriting in der elektronischen Musik. Das Sauerstoffdefizit durch Ginormous Kompositionen kann jedoch schnell in Erstickungsbeschwerden münden. Auch Klang sollte Raum zum Atmen zugestanden werden.
:: »At Night, Under Artificial Light« von Ginormous ist bei Hymen/Ant-Zen erschienen
:: Ginormous Sounds
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