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Der Tod ist ganz alltäglich
Jordi Bernets und Enrique Sanchez Abulis Comic-Auftragskiller »Torpedo« erscheint erstmal als deutsche Gesamtausgabe
Text: Jens Pacholsky
Endlich ist er da. Der (Anti-)Held zum so richtig hassen. Ein Ekel vor dem Herrn. Opfer und Triebfeder des Systems. Kaltblütig, gnadenlos, berechnend und mit einem Maß an Mitgefühl, das sich um den absoluten Nullpunkt bewegt. Dazu ist er noch rachsüchtig, cholerisch und der größte Egoist aller Zeiten. Und als wenn das nicht schon ausreichend wäre: Er hat ein schnelles Händchen – mit und ohne Automatik. Luca Torelli heißt nicht ohne Grund »Torpedo«. Er ist Auftragskiller, Schläger, der Mann für das Grobe eben. You better don’t fuck around with him.
Jordi Bernet und E.S. Abuli haben es tatsächlich geschafft, diesen Mistkerl seit 1980 über fünf Bände lang am Leben zu halten. Jetzt erscheint das Gesamtwerk erstmals auf Deutsch.

aus »Torpedo 4«
Get Torpedo
So wie sich Torpedo und seine bessere Hälfte Rascal über die fünf Bände immer tiefer in eigene Versäumnisse, Fehler und Drecksarbeit verstricken, so versinkt auch Abuli immer tiefer in seine Charaktere. Was als kurzweilige Shoot-To-Kill-Story beginnt, die den gängigen Gangstermotiven folgt, entwickelt der italienisch-stämmige Autor über Rückblick-Episoden, Slapstick-Aushilfen zu einer recht umfassenden Betrachtung seiner Protagonisten weiter. Die oberflächliche Figur des Torpedo bekommt eine Vergangenheit, die schon all das Übel beinhaltet, das dem Killer (und vor allem seinen Opfern und Weggefährten) später das Leben schwer machen wird. Ganz aus von Stereotypen kann und möchte sich aber auch Abuli nicht befreien. Wie Jens R. Nielsen im letzten Band bemerkt, soll Torpedo schlicht den (fast schon normalen) Alltag eines Berufsmörders durchstreifen. Nachdem der altbekannte Zeichner Alex Toth (»Johnny Quest«, »Zorro«) nach nur einem Band das Projekt verlassen hatte, weil ihm die daraus resultierende Gossensprache zu »liberal« war, und Bernet das Ruder übernahm, werden auch die Ausschweifungen des Luca Torelli gröber. Die extreme Egozentrik gepaart mit Cholerik kulminieren immer wieder in das hässliche Machtgepose einer Vergewaltigung oder unschuldiger Toter. Torelli fehlt jeder Bezug zum Leben an sich. Für ihn zählt nur das eigene. Es ist schlicht ein Job. Und da man mit Schuhputzen nicht annähernd so viel verdient…
Dass sein Helfer Rascal – der weitaus cleverer als sein Chef ist – da noch mitspielt, wirkt fast wie ein Wunder. Mit dem Verlauf der Geschichte macht Abuli aber immer deutlicher, dass beide symbiotisch miteinander verbunden sind, auch wenn der Verrat immer kurz bevor steht. Torpedos Welt ist die potenzierte »Sin City«, in der das Gefühl auf den reinen Narzissmus reduziert ist, der das Zwischenmenschliche als Geschäftswelt begreift. Bernets straffe Schwarz-Weiß-Zeichnungen unterstreichen die polarisierte, eindeutige Welt des Torpedo. Entweder Du oder ich – schwarz oder weiß – in klaren, kantigen Strichführungen.
:: »Torpedo 5« von Jordi Bernet und E.S. Abuli ist bei Cross Cult erschienen, Asperg 2008, s/w HC, 144 Seiten, € 18,-
:: »Torpedo 1« bis »Torpedo 4« von Jordi Bernet und E.S. Abuli sind bereits bei Cross Cult erschienen, Asperg 2007-08, s/w HC, jeweils 144 Seiten, jeweils € 18,-
:: Crosscult mit Leseprobe
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