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Artikel

Aliens3

Der Schlund des Monstrums

Jerry Prosser und Kelley Jones retten in Philip K. Dick’scher Manier den Comic »Aliens: Band 3« vor seiner Banalität

Text: Jens Pacholsky

Zugegeben, hohe Erwartungen wurden nicht geschürt, als der dritte Band zu »Aliens« auf dem Tisch lag. Dieses sabbernde Konsenskinomonster, was soll das schon noch bringen, als ewiges Geballer, Gerenne und saures Gebeiße? Im ersten Kinofilm von James Cameron (1986) wurde doch schon alles gesagt. Henry Gilroy (»Atlantis II«, »Star Wars«) und Ronnie del Carmen (»Batman«, »Wall-e«) wissen denn auch genau diese niedrige Erwartungshaltung zu bestätigen. Die ersten beiden der insgesamt drei Episoden in »Aliens 3« stammen aus der Feder der beiden amerikanischen Zeichner und Autoren und beschränken sich auf (glücklicherweise) kurzweilige Shoot-&-Run-Szenarien a la Duke Nukem (nur mit dümmeren Sprüchen). Story: Nö, lass mal. Zeichnung: Sorry, hatte gerade nicht viel Zeit, um die Perspektiven so richtig hinzubekommen.

Alien 3
Kelley Jones »Alien 3«

LSD-Astronauten
Jerry Prosser und Kelley Jones (»Sandman«, »Batman«) drehen das Ruder dann plötzlich um 180°. Zum Glück nimmt ihre düstere Episode über die Hälfte des Bandes ein. Nicht nur, dass Jones in einem famosen Zeichenstil, der sehr an Siebdruck erinnert und ein starkes Noir-Gefühl heraufbeschwört, die Klaustrophobie des Schauplatzes realisiert. Sein klares Schattenspiel visualisiert die Abgründe und Ausweglosigkeit seiner Protagonisten in puren Horror. Prosser ist clever genug, das Alien aus der Mitte zu nehmen und eher als Nebendarsteller in der seelischen Horrorwelt seiner menschlichen Feinde zu positionieren. Der Wissenschaftler Majakowski und seine Partnerin Gil schliddern auf ihrer Suche nach dem halluzinogenen Gelee Royale der Alienkönigin in ein düsteres, privates Endzeitszenario, das einem Philip K. Dick sicherlich sehr viel Vergnügen bereitet hätte. Das Alien wird zum Konsumgut des Palmer Eldritch (Philip K. Dick »Die drei Stigmata des Palmer Eldritch«), zur Zapfsäule aus William S. Burroughs »Naked Lunch«. Die Menschen hängen an ihnen wie an einem bittersüßen Tropf des Vergehens. Das Alien bleibt das Spiegelbild des rücksichtlosen, selbstgenügsamen menschlichen Abgrunds. Mehr Horror geht nicht.

:: »Alien 3« von Henry Gilroy, Jerry Prosser, Ronnie del Carmen und Kelley Jones ist bei Cross Cult erschienen, Asperg 2008, s/w HC, 160 Seiten, € 16,-
:: Cross Cult mit Leseprobe



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