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Unter dem Grund und unter der Haut

STYX Project Space präsentiert vom 7. - 28. November mit Sue de Beer, Derek Holzer und SIX drei internationale Künstler in einem medienübergreifenden Kontext.

Text: Fabian Saul Foto: SIX (www.six.cz)

Mit der Serie »Pervateen« eröffnet der in Prag lebende und arbeitende Londoner Fotograf SIX einen Blick auf bisher vom Westen kaum wahrgenommene Aspekte von Jugendkultur im tschechischen Underground. Mit großer Genauigkeit und Nähe zu seinen Protagonisten befördert er mit den über Jahre entstandenen Portraits Outsider aus der Dunkelheit an die Oberfläche - distanzlose, fordernde Blicke; von der Droge Pervertin geprägte Zerrissenheit; Verbitterung und Trauer ertränkt in coolen Dean- und Brando-Gesten.
Verletzungen, physisch wie psychisch, sind augenfälliger Bestandteil dieser Posen: Geritze blasse Haut und starre Blicke nehmen den Gestus stolz präsentierter Trophäen an, gelangen von der Irregularität zur Selbstverständlichkeit und werden schließlich Komponenten eines integren, irreversiblen Selbst. Die Bildsprache eröffnet dabei, unterstützt durch die typografische und farbliche Stilisierung der Fotografien, Assoziationen zu Werbe- und Modeästhetiken. Was dort jedoch oft lediglich als Sortiment für die Selbstinszenierungen der Konsumenten dient, erlebt in SIXʼ Bildwelten eine Umdeutung, die Authentizität generiert. Durch die bedingungslose Nähe zu den Portraitierten gelingt es dem Künstler, deren Individualität mit all ihrer Verletzlichkeit und verblassenden kindlichen Unschuld zu erhalten. Zugleich konzipiert er den ästhetischen Raum aber auf eine Weise, die es den Jugendlichen ebenso bedingungslos erlaubt, sich in ihm selbstbewusst in ihrer adoleszenten Schönheit geltend zu machen.

Jugendliche Innenwelten und ihre Abgründe sind auch ein wiederkehrendes zentrales Sujet der Amerikanerin Sue de Beer. Im Rahmen der Ausstellung werden ausgewählte Stills aus ihrer in Berlin entstandenen filmischen Arbeit »Hans und Grete« zu sehen sein. An der Stelle des Einverleibens von Aggressionen und Ängsten und der Entwicklung einer alternativlos selbstbewussten Pose, steht bei ihren Figuren die Projektion dieser unterdrückten Emotionen, so dass die vermeintliche Selbstzerstörung vor allem in die Zerstörung des verhassten Umfelds mündet. Bei diesen Prozessen werden narzisstische Momente und die unbedingte Forderung nach Geltung fokussiert. Charakteristisch für de Beers Werk ist das Spiel mit düsteren phantastischen Elementen, und einer Ästhetik, die sie Horrorfilmen und Subkulturen wie Metal und Goth entlehnt. In ihren Fotografien zur filmischen Arbeit wird die emotionale Gefangenheit und Einengung der Perspektiven ihrer Figuren in selektierten Blicken verdichtet.

Der amerikanische Klangkünstler Derek Holzer ergründet in seinen Arbeiten unter anderem die versteckten Resonanzkörper in Objekten und Räumen, auf die seine Installationen stets Bezug nehmen. Die Klänge, sind immer nur die, die sich im gegebenen Raum entfalten können, ebenso aber alle, die der Raum mittels Objekten und einer Vielfalt von bekannten und neuen Klangerzeugern ermöglicht. Im Rahmen zweier Performances zur Vernissage und Finisage wird er eine raumgreifende Installation aus Klaviersaiten zum Klingen bringen, und überlässt die Gratwanderung zwischen Begrenztheit des Raums und Freiraum des Klangs für die Dauer der Ausstellung dem Spiel der Besucher.

:: Die Ausstellung »Sue de Beer, Derek Holzer, SIX«, vom 07.-28. November 2008 im STYX Project Space

STYX Project Space
Alte Brauerei Friedrichshöhe (2. Stock links)
Landsberger Allee 54, 10249 Berlin
Vernissage & Performance von Derek Holzer:
7. November 2008, 19-22 Uhr
Finissage & Performance von Derek Holzer:
28. November 2008, 19-22 Uhr
Öffnungszeiten: Fr-So 15-16 Uhr und nach Vereinbarung

:: STYX Project Space
:: SIX
:: Sue de Beer
:: Derek Holzer



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