bilder

Ed Brubaker & Sean Phillips »Sleeper: Die Gretchenfrage«

EdBrubaker_Sleeper3-Cover

Die vorletzte Runde des komplexen Agententhrillers zieht die Schnüre zu.



bilder

David Brin & Scott Hampton

»The Life Eaters«

DavidBrin_TheLifeEaters_Cover

Die alternative Entwicklung des 3. Reichs als wahrer und aktueller Albtraum



bilder

Eric Powell

»The Goon 3: Meine mörderische Kindheit«

TheGoon#3_cover

Unser Maskottchen mit der Schlägervisage plaudert über seine vermaledeite Kindheit

Artikel

schule_elite_05.jpg

Die Kinder aus dem Schnee

Erschreckend stumm: Daniella Marxer dringt mit »ZUOZ - Schule der Elite« in das Innere eines Schweizer Eliteinternats ein

Text: Carolin Genreith Foto: Propaganda B

Um nach Zuoz zu kommen, muss man durch viele Wälder, vorbei an vielen Bergen und durch eine dichte Schneemasse fahren. Schnee ist schön. Schnee ist kalt. Schnee dichtet ab. Nach außen. Man kann Häuser bauen aus Schnee. Iglos. Und Inseln.
Das Lyceum Alpinum Zuoz ist eine Insel, auf die die Führungselite von morgen, die reichen, die privilegierten Kinder, von Menschen, deren Namen nicht genannt werden dürfen, geschickt werden, um dort zu lernen und zu gehorchen, um so zu werden, wie die Eltern es wollen, wie die Gesellschaft es will. Denn auf dem Internat muss man sich anpassen. Man muss Eishockey spielen oder Cricket, man muss sein Studium machen, man muss pusten, wenn man nach Alkohol riecht und sollte besser nicht zu viel davon getrunken haben. Man muss seine Zimmer von Männern kontrollieren lassen, die einem nach kurzem Anklopfen mit aufgesetztem britischem Akzent darauf aufmerksam machen, dass man seinen Schreibtisch mal wieder aufräumen sollte, bevor sie die Vorhänge öffnen, weil sie der Meinung sind, es sei zu dunkel. Draußen vor dem Fenster, hinter den Vorhängen wieder Schnee und Berge, Zuoz.

schule_elite_02.jpg

Die Regisseurin Daniella Marxer gibt einen Einblick in diese Welt, die außerhalb der Welt zu liegen scheint. Eine abgeschottete Zwischenwelt, in der Kinder zu mehrsprachigen Führungspersönlichkeiten oder Politikern oder Diplomaten herangezogen werden sollen, in der nackte weibliche oder männliche Ärsche an den Zimmerwänden zu stillen Protesten werden. Lauter Protest und Regelverstoß führt zur Verwarnung oder zum Verweis.

Daniella Marxer gleitet mit der Kamera still wie eine Maus, wie eine stumme Beobachterin durch die langen Flure des Internates, nimmt an Besprechungen und Gesprächen, an Unterrichts- und Nachhilfestunden teil, ohne Fragen zu stellen und Antworten zu geben, ohne direkt zu kommentieren oder zu bewerten. Daniella Marxers Kommentar und ihre Wertung liegen genau in der Stille, in dem Mäuschenspiel, in der Beobachtung. Dadurch entsteht, was den Film sehr stark macht: die unheimliche, sehr dichte Atmosphäre, die Gänsehaut und nicht selten Wut im Bauch erzeugt. Wut auf Pädagogen, die mehr Wächter sind und Kontrolleure. Wut auf Eltern, die die Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder in gut bezahlte, fremde Hände legen. Wut auf Kinder, denen nichts ferner zu liegen scheint als ein lauter Aufschrei, auf Kinder, die im Schnee groß werden.

:: »ZUOZ - Schule der Elite« ist im Rahmen des ueberMacht-Festivals ab 15.01.2009 in 120 Städten zu sehen
:: »ZUOZ - Schule der Elite«



Kommentieren



. . .