worte
Krimikolumne III
Neue, brandheiße Noirs, die man unbedingt lesen muss, wenn man starke Nerven und einen gewissen Humor hat: Nisbet, Ellroy und Johnson
worte
Krimikolumne II
Vom postatomaren Japan über die tiefen Wiener Sümpfe eines Wolf Haas’ bis hin zum Münchner Südfriedhof: Vier recycelte Realitäten.
worte
Demont / Schenker: Ansichten vom Göttlichen
Anscheinend glaubt die Schweizer Jugend geschlossen und uneingeschränkt an Gott. Werbebroschüre oder realistisches Porträt?
Artikel

Auf der Suche nach Form und Gehalt
Rainald Gotz’ Vanity Fair-Blog liegt nun auch in Buchform vor
Text: Alessa Paluch
Einen Blog als Buch zu veröffentlichen wirft einige berechtigte Fragen auf und lässt Zweifel aufkommen, ob Form und Inhalt nicht unabdingbar, da sie hier in eins fallen, die Transformation in eine spezifisch andere Form nicht unbeschadet bestehen. Dementsprechend geht man voller Skepsis an die neueste Veröffentlichung Rainald Goetz heran: sein zum Buch geronnener Vanity Fair-Blog »Klage«.
Viel wurde bereits geredet und geschrieben sowohl über den damaligen Blog als auch zur Erscheinung der gedruckten Form. Verschiedene Aspekte fallen dabei ins Auge: zum einen die immer noch bestehende Hierarchisierung zwischen den einzelnen Formaten und zum anderen die Reproduktion einer seit Jahren bestehenden Lesart eines Künstlers, in diesem Falle die vorgefertigte Meinung, die sich über Rainald Goetz beständig hält.
Auffällig ist weiter, dass die, die den Blog als solchen bejubelten, diesen in Buchform als gescheitert erklären. Natürlich handelt es sich hier um zwei grundlegend verschiedene Rezeptionsweisen von Literatur. Der Blog als Internettagebuch ist nun mal ein sehr viel exhibitionistischer Vorgang als das vermeintlich private und doch veröffentlichte Tagebuch der alten Schule. Was dem Blog in eingeschränkter Weise als ehrlicher und in seiner Intention direkter, aber auch weniger literarisch ›wertvoll‹ erscheinen lässt. Mit der Entscheidung, den Blog des Literaten Goetz wiederum als literarisches Werk zu veröffentlichen, schreibt sich die genrefeindliche, grenzenaustestende und den direkten Ausdruck suchende Arbeit Goetz’ nur absolut zwingend fort.
»Klage« ist auch deshalb ein lesenswertes Werk, weil sich die einzelnen Beobachtungen, Analysen und Gedanken trotz ihrer stark subjektiven Setzung als amüsante, aber durchaus fruchtbare Aussagen zum bundesdeutschen Geschehen des Jahres 2007 und der ersten Hälfte des Jahres 2008 eignen. Dabei ist es gar nicht so sehr der vielbeschworene Goetzsche Hass als der nur absolut begrüßenswerte Ekel vor verschiedenen Prozessen der medialisierten, journalismusgläubigen, kunstfeindlichen, gleichsam seltsam politikfernen und politisierten deutschen Kulturlandschaft. Goetz erscheint zum einen als Beobachter seines Alltags und der der Berliner Republik als auch als, nicht wissenschaftlicher, politischer oder journalistischer, sondern als Konglomerat aus all diesem: künstlerischer Analyst. Die Textform macht aufgrund ihrer Offenheit dabei jede Interpretationshoheit zweifelhaft und verhindert eine leicht textimannente Kultur-Besserwisserei. Hier ist kein allmächtiger Autor am Werk, dessen Aussagen Wahrheit beanspruchen, sondern ein schreibendes Subjekt, dessen Gedankengänge zu verfolgen und Meinungen zu befragen eine große Freude ist.
Und auch wenn Goetz am 3. April 2007 schrieb, dass Lob schlecht sei, bleibt doch nichts anderes übrig, wenn auch nicht aus der Beurteilung heraus, dass der Text geglückt sei, wie Goetz meint, sondern aus dem Gefühl heraus, dass der Prozess der Suche nach Form und Gehalt ein wichtiger und zwingend durchzuhaltender sein kann und muss.
:: »Klage« von Rainald Goetz, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008, 428 S., 22.80 €
Kommentare
Kommentieren
- »Dandy in der Unterwelt«
- Sonic Youth
- »Der Tod des Bunny Munro«
- Doris Dörrie: »Und was wird aus mir?«
- Selim Özdogan
- Sybille Berg »Der Mann schläft«
- Sex and Crime / 1
- Baccio Bandinelli
- Hausdurchsuchung
- Krimikolumne
- DJ Disco Wiz
»It’s Just Begun«
- DJ Disco Wiz
»It’s Just Begun«
- Knut Hamsun zum 150.
- Tova Reich »Mein Holocaust«
- »Morgenende« von Gerrit Wustmann
- Anna Katharina Hahn
- Michael Weins »Delfinarium«
- Adam Bradley
»The Book Of Rhymes«
- Doris Kolesch u.a.: Stimm-Welten
- Björn Kuhligk: Gedichte
- Willmann, Schulz, Meueler & Beňová
- Thomas Bernhard
- Stefan Ripplinger
»I Can See Now«
- Voices from Undergroundzero
- Denis Johnson »Ein gerader Rauch«
Ältere Artikel »









Jens / 09.02.2009 / 20:41
Vielleicht wurde Goetz’ Buch auch einfach unter der falschen Prämisse diskutiert. Warum muss sein Buch überhaupt als literarisches Werk betrachtet werden? Nur weil es auf Papier gedruckt wurde?