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59. Internationale Filmfestspiele Berlin | 39. Forum
Mariano De Rosa »Aguas Verdes«
Text: Fabian Saul Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin
Mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm versucht sich der argentinische Regisseur Mariano De Rosa an einem Spagat zwischen den Filmgenres. Zum einen hat »Aguas Verdes« gute Anlagen zu einer soliden Kömödie:
Vater, Mutter, Tochter, Sohn fahren in den Urlaub. Die Tochter reift gerade zur jungen Frau, wird zum ersten Mal von Männern umgarnt und komplementiert, entdeckt ihre Sexualität und Reize. Was als harmonischer Familienurlaub am Meer gedacht war wird - nach an Katastrophen nicht armen Start der Reise - für den Vater zum paranoiden Trip. Mit jedem Jungen, jedem Mann, jedem Blick sieht er seine Tochter gefährdet und entdeckt parallel zu seiner vollkommenen Verunsicherung seine eigenen sexuellen Begierden und Phantasien neu. Besonders der Macho Roberto gerät zur Bedrohung, da er nicht nur seine Tochter, sondern auch seine Frau in den Bann zu ziehen vermag. Die Komik in den grotesken Reaktionen des Vaters und unumgänglichen neurotischen Dialogen sind das eine.
Zum anderen versucht De Rosa in den paranoiden Wahrnehmungen und psychoanalytisch interessanten Übertragungshandlungen des Protagonisten (Alejandro Fiore als Vater) das Genre zu brechen. In orchestralen Soundbrüchen bedient er sich aus dem musikalischen Reservoir des Psycho-Thrillers und schafft, trotz der komischen Überspitzung der Situationen eine abgründige Ernsthaftigkeit in den zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen.
Dieses Mittel wird aber nur zaghaft eingesetzt, die Kamera scheint es beispielsweise nicht zu berühren, und so bricht und schneidet der Film immer dann, wenn man glaubt in einem Strudel der Halluzination zu versinken, ab und kehrt zurück in die sicheren Wasser der offensichtlichen Komik. Hier entsagt der Film den interessanten Anlagen des Plots.
So bleibt »Aguas Verdes« am Ende doch eingezwängt in den Konventionen des Genres. Man hätte gerne mehr von den instrumentierten psychotischen Abgründen gesehen. Man wäre De Rosa gerne noch auf weitere Berge der Übertreibung, ja bis zur endgültigen Überspitzung gefolgt.
:: »Aguas Verdes« von Mariano De Rosa, bis zum 15.2. auf den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin
:: 39. Forum
:: »Aguas Verdes« bei IMDb
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