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59. Internationale Filmfestspiele Berlin | 39. Forum
Matthew Hysell »Marin Blue«
Ein Film wie ein Popsong: »Marin Blue« sucht nach der großen Geste und bleibt dabei erfrischend unkonkret.
Text: Fabian Saul Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin
»Jim … I’m Jim!«
»My name is Marin …. Marin Blue.«
So endet Matthew Hysells erster Film in Spielfilmlänge und entlässt den Zuschauer in einer Wolke aus an Pathos nicht armer Melancholie und einer gewissen existentiellen Desorientierung.
Marin verbingt ihre Zeit damit, über Lautsprecher die Patienten einer Jugendpsychiatrie in den Pausen zu besingen. Der aus nicht genannten Gründen neu eingelieferte Jim flieht aus der Anstalt und trifft schicksalshaft auf jene Frau, von der er bisher nur die Stimme kannte. Sie führt ihn zurück zu einer verlorenen Vergangenheit, zu einem Haus, dass er nicht als seine Heimat erkennt, zu Brüdern, die er glaubt zum ersten Mal zu sehen. In einem leerstehenden Motel findet Jim einen Zwischenraum, ein Versteck, das nur Marin kennt, einen Ort aus seiner eigenen Wunschvorstellung.
In nur 77 Minuten zeigt Hysell seine Protagonisten gefangen zwischen Stagnation und Aufbruch. Jede Einstellung ist dabei fotografisch durchkomponiert, das Spiel mit Über- und Unterbelichtung zeichnet ein hypnotisches, traumhaftes Bild der Räume. Die angeblichen Brüder Jims werden geschickt als Metapher für die Unsicherheit der eigenen Zugehörigkeit und ein altes Leben inszeniert, welches surreal in die Realität eindringt und bindet.
Der Verlust der eigenen Wurzeln macht einen Aufbruch in das Neue unmöglich. In jedem Bild scheint Hysell nach diesem verloren gegangenen Fixpunkt zu suchen, nach einer Gewissheit, die in »Marin Blue« letzlich in der Unausweichlichkeit der Gegenwart aufgelöst wird. Ein Film wie ein Popsong: Kurz und knackig, in schöne Farben getaucht, von einer einfachen Wahrheit beseelt, doch ohne Antworten, dafür mit Fragen, eine Feier des Moments.
»Gefällt dir der Gedanke irgendwo anzukommen?«
»Will das nicht jeder … oder?«
:: »Marin Blue« von Matthew Hysell, bis zum 15.02. auf den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin
:: 39. Forum
:: »Marin Blue« Website
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