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Artikel

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Eine Kugel für die Geschwisterliebe

Gerard Way, Sänger der Emo-Band My Chemical Romance, schreibt nicht nur gute Songtexte. Sein Comic überrascht

Text: Jens Pacholsky

Comicliebhaber zu sein, ist das eine. Comicautor, das andere. Nicolas Cage, John Woo, Gerard Way, Jenna Jameson und Dave Stewart sind allesamt Comic-Liebhaber und Comic-Autoren. Mit kleinen Unterschieden: Cage, Woo und Stewart haben es versucht. Jenna Jameson wird mit ihrem Comic zumindest ihre Porno-Gefolgschaft zufrieden stellen können. Beim Sänger der Emo-Band My Chemical Romance, Gerard Way, darf der Comic auch gelesen werden. Denn er eilt seinen Entertainment-Kollegen weit voraus und bleibt seinen Vorbildern der Comic-Szene dicht auf den Fersen. Insbesondere schlägt er raffiniert und mit viel Witz in die aktuelle Kerbe der kaputten – soll heißen, allzu menschlichen – Superhelden. Sein Hintergrund als Emo-Sänger mit einer Vergangenheit in Alkohol und Depressionen dürfte ihm dabei hilfreich sein, um im Schatten von »Watchmen«, »Civil War« und »Ex Machina« eine gute Figur zu machen.

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Offene Wunden sind immer ganz nah
Die dunkle Seite der Superhelden-Kindheit und die selbstgefällige Philosophie des eigenen Heldenethos, gepaart mit gegenseitigem Disrespekt. Keine Saubermänner leben hier, sondern Eitelkeit, Eifersucht, verletzter Stolz und gebrochene Herzen. Jeder hat noch eine Rechnung offen. Und wenn es auch nur um den verhassten toten Vater geht. In »Umbrella Academy« führt Gerard Way mit viel Ironie und – in Gestalt des irgendwie Emo wirkenden Seance – Selbstironie sechs zerstrittene, distanzierte Pseudogeschwister zusammen. Der eine hat fünfzig Jahre in der Zukunft verbracht, weil er nicht wusste, wie er wieder zurückkommt. Der andere verzog sich auf den Mars. Nun müssen sie die Weltuntergangssuite einer ihrer nächsten verhindern. Geschwisterliebe hin oder her, am Ende ist Blut doch nicht dicker als Wasser.

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Da will man mal die Welt retten und dann so etwas…

Tim Burton grüßt
Gerard Way zitiert gekonnt und wirft an den richtigen Stellen die richtigen, blöden Kommentare ein. David Lynch hätte seine Freude gehabt an den absurden Wendungen zu Zeitpunkten, wo es nicht passt. Weil es gerade nur dort wirklich passt. Dazu entwirft der aufstrebende Zeichner Gabriel Bá (das Gemeinschaftswerk »De:TALES« mit seinem Bruder Fábio Moon wurde 2006 zu den zehn wichtigsten Graphic Novels gezählt) eine wahre Emo-Szenerie mit den surrealen Kanten und Körperformen einer »Nightmares On Christmas«-Welt. Detailliert zeichnet er seine Idee von Paris, das mal sexy, mal kühl und absurd, aber vor allem selbst im Schein eines riesigen Feuerballs noch extrem schattig ist. Dass Gerard Way für sein Debüt für den Eisner-Award nominiert wurde, überrascht da nicht.

:: »Umbrella Academy – Weltuntergangs-Suite« von Gerard Way und Gabriel Bá erscheint bei Cross Cult, 2009 Ludwigsburg, A5, HC, farbig, 160 S., € 19,80
:: Leseprobe



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