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Ed Brubaker & Sean Phillips »Sleeper: Die Gretchenfrage«

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Eric Powell

»The Goon 3: Meine mörderische Kindheit«

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Sex, Gewalt und gute Laune

Die Diagonale, das Festival des österreichischen Films, beleuchtete auch in diesem Jahr wieder die Vielfalt des Kinos unserer Nachbarn. Das bietet nicht nur Einblicke in das kommende Kinojahr der Ösis, sondern gibt auch einen entscheidende Unterschiede zum deutschen Film preis

Text: Cornelis Hähnel Foto: Luna Filmverleih/coop99,Händl Klaus Filmproduktion/Hackl, Jaitz, Schindegger,Schürenberg/Lotus Film

Die Aufmerksamkeit Hollywoods hat das österreichische Kino bereits: nach dem Oscar 2008 für Stefan Ruzowitzkys »Die Fälscher«, gab es ja immerhin in diesem Jahr ein weitere Nominierung für »Revanche« von Götz Spielmann. Doch trotz internationalem Renommee und Kritiker-Euphorie hält sich noch immer das Vorurteil, der österreichische Film sei ein granteliges, misanthropisches und viel zu verkopftes Kunstdrama. Das mag zwar ein wichtiger und prägender Aspekt sein, aber eben nur einer. Die Diagonale hat es sich zum Ziel gesetzt, die ganze Vielfalt des Filmschaffens in Österreich zu beleuchten und als nationale Jahresfilmschau eine kontinuierliche Bestandsaufnahme und kritische Auseinandersetzung darzustellen. An die 30 Spiel- und Dokumentarfilme, die im Jahr 2008 entstanden sind, (plus diverse Kurz- und Experimentalfilme) stehen in den Wettbewerbsprogrammen, dabei reicht die Palette von der banalen Pornoklamotte mit dem prophetischen Titel »Schlimmer geht’s nimmer« bis hin zum gelungenen Teenie-Slasher-Sequel »In 3 Tagen bist du tot 2«.

Als Vorbereitung für den großen Preisregen wurden sogleich beim Eröffnungsabend die Diagonale Schauspielpreise verliehen, zum einen an Birgit Minichmayr (die bereits auf der Berlinale 2009 als Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde) für ihre Rolle in »Der Knochenmann«, der Große Schauspielpreis ging an ihren Kollegen Josef Hader. Dieser erhielt eine von der österreichischen Künstlerin Elke Krystufek gestaltete Trophäe, zu der die Künstlerin vermerkte, der Preisträger müsse dafür viel Humor aufbringen. Doch Hader wäre nicht Hader, wenn er das schmutzige Höschen nicht souverän und fast gerührt entgegen genommen hätte. Mit dem Eröffnungsfilm »Kleine Fische« (Gewinner des Publikumspreis) von Marco Antoniazzi, einer sympathischen, aber mitunter etwas blassen Komödie über den Überlebenskampf eines Fischgeschäfts in den Zeiten der Globalisierung wurde es dann wieder etwas weniger schlüpfrig, aber nicht durchaus unterhaltend.

Dass der österreichische Film sich nicht nur in nationalen Gefilden bewegen will, zeigen die zahlreichen internationalen Koproduktionen, darunter auch »Jump« von Joshua Sinclair mit Patrick Swayze. Sinclair erzählt, basierend auf einer wahren Geschichte, den Vatermord-Prozess des jüdischen Philippe Halsman im Jahr 1928. Obwohl Halsman vermehrt seine Unschuld beteuert, wird er verurteilt. Der Fall gilt als einer der ersten antisemitischen Gerichtsprozesse der Geschichte und die Filmmacher hatten einen exklusiven Einblick in die Gerichtsakten. Doch trotz der spannenden Thematik ist der Film durchzogen von einem aufdringlich bemühten Gestus der Betroffenheit und auch Mr. Swayze wirkt leider etwas deplatziert.
Im Gegensatz dazu steht »Ein Augenblick Freiheit« von Arash T. Riahi, der das Schicksal einer Gruppe von Flüchtlingen porträtiert, die mit zynischem Humor gegen die Missstände und das eigene Schicksal kämpfen. Nach Auszeichnungen auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis gab es für das Migrantendrama auf der Diagonale den Drehbuchpreis.
Und auch Max-Ophüls-Preisträger Thomas Woschitz setzt mit »Universalove«, einem von der Musik von Naked Lunch getragenen Episodenfilm über die Liebe in allen Ecken der Welt, seinen Erfolgskurs fort, sorgt auch in Graz für überfüllte Säle und wurde mit dem Kamerapreis ausgezeichnet.

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Mit dem Großen-Diagonale-Preis »Spielfilm« wurde »Das Vaterspiel« von Michael Glawogger (Foto) ausgezeichnet. Der Film, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Josef Haslinger, verknüpft auf verschiedenen Ebenen die Geschichte von drei Generationen von Söhnen und beleuchtet den innigen Wunsch des Protagonisten, der seinen Vater töten will. Glawogger komponiert eine rhythmisch-strenge Erzählweise, die berührt und zugleich erschaudern lässt. Als Bester Dokumentarfilm wurde »In die Welt« von Constantin Wulff prämiert, der den Vorgang der Geburt jenseits fernsehkonventioneller Mütterporträts mit einem direkten und zugleich diskreten Blick darstellt. Klares und nüchternes Direct Cinema, das nicht nur die Geburt, sondern auch die begleitenden Abläufe im Krankenhaus auf bewegende Weise vermittelt.

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Aber auch der »typische« österreichische Film war natürlich präsent. Sehr lokal zeigt sich »Schottentor« von Caspar Pfaundler: Die gleichnamige U-Bahnpassage in Wien bildet die Kulisse dieses Reigenfilms, der Sehnsüchte und Realität in Frage stellt und sich zugleich mit der Schwierigkeit des kreativen Schaffensprozess auseinandersetzt. Ebenso dicht ist das Debüt von Händl Klaus. In »März« (Foto: oben) erzählt er in starren Bildern über das Leben dreier Familien nach dem kollektiven Selbstmord drei junger Männer. Die erdrückende Routine des Alltags, die Unfähigkeit die Trauer zu kanalisieren und die Ratlosigkeit über die Beweggründe lassen die losen Szenen zu einem intensiven Stimmungsbild über den Verlust verschmelzen und machen »März« definitiv zum Highlight des Festivals.
Nicht vergleichbar, aber ebenso hochwertig, ist »Rimini« (Foto: unten), der erste Film von Haneke-Schüler Peter Jaitz. Gleichwohl klug wie humorvoll montiert er die Geschichten zwei sich fremder Männer, die letztlich mit einem großen Knall aufeinander treffen; alles unter dem Aspekt der Beobachtung und Überwachung, dem Repräsentationswunsch und dem unfreiwilligen YouTube-Exhibitionismus. Dafür gab es immerhin den Preis für den besten Schnitt.

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Weitaus behutsamer ist der beobachtende Kamerablick in den Dokumentarfilmen. In »Das Schreiben und das Schweigen« zeichnet Carmen Tartarotti ein einfühlsames Porträt der Schriftstellerin Friedericke Mayröcker, das über alle Maßen vom Charisma und der Präsenz der Protagonistin lebt. Und während Yoav Shamir in »Defamation« in Michael-Moore-Manier nach der heutigen Bedeutung von Antisemitismus sucht, begleitet Nina Kusturica in »Little Alien« jugendliche Migranten auf ihrem Weg zwischen Heimat und Fremde. Auch Regisseur Atanas Georgiev versucht einen EU-Pass zu bekommen und sucht deswegen eine Frau, die ihn heiratet. »Cash & Marry« ist eine verdammt mutige und irrwitzige Produktion, die mit viel Selbstironie und Witz ein schwieriges und sehr komplexes Thema zur subjektiven Erfahrung macht.

Die Diagonale hat sich, auch unter der neuen Festivalleitung Barbara Pichler, den hohen Anspruch gesetzt, den österreichischen Film in all seiner Vielfalt zu präsentieren. Das man dabei durch Höhen und Tiefen geht und das Programm nicht nur überbordend sondern ebenso durchwachsen ist, lässt sich kaum vermeiden. Doch als repräsentatives, kinematographisches Jahrbuch lässt es den Zuschauer oftmals überrascht aufschauen, denn immer wieder entdeckt man etwas, dass dem deutschen Film leider so oft abgeht: Mut.

| Diagonale 2009 - Festival des österreichischen Films, fand vom 17. bis 22. März in Graz statt
| Diagonale



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