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Artikel

Schweizer Ukiyo-e
Coseys Graphic Novel »Auf der Suche nach Peter Pan« könnte auch als Farbholzschnitt erscheinen
Text: Jens Pacholsky
Cosey war bis 1983 ausschließlich durch die Comicserie »Jonathan« bekannt geworden. Eine Geschichte über einen Aussteiger, der durch die Gegend des Himalajas und Tibets reist. Sein Comic-Roman »Auf der Suche nach Peter Pan« war zum einen Fortführung dieses Berg- und Reisethemas als auch Roman-Debüt und Durchbruch zugleich. Die Graphic Novel wurde 1988 als beste deutschsprachige Veröffentlichung mit dem Max und Moritz Preis geehrt und ist seitdem vergriffen gewesen. Cross Cult kümmerte sich nun – wie so immer – um eine liebevolle Wiederveröffentlichung, die neben der 116 Seiten umfassenden Geschichte auch ein Nachwort von Volker Hamann und ein Interview mit Bernard Cosandey, wie Cosey bürgerlich heißt, beinhaltet. André Guex gibt eine Einleitung in die Walliser Alpenwelt Anfang der 1920er Jahre.
Cosey war seit 1970 Assistent bei dem berühmten europäischen Comiczeichner Derib, der für »Attila«, »Red Road« und auch »Die Schlümpfe« Anerkennung und Auszeichnungen erhielt. Nachdem Cosey seit 1975 an der Serie »Jonathan« gearbeitet hatte, war sein Zeichenstil bereits unglaublich ausgereift. Das zeigt sich bei seinem ersten Comicroman »Auf der Suche nach Peter Pan« insbesondere in den Landschaftsaufnahmen. Denn diese haben wenig mit den schlichten, klassischen Comiczeichnungen zu tun. Vielmehr blickt man auf japanische Winterlandschaften, in denen Coseys Held Melvin Woodsworth nach seinem Peter Pan sucht. Detailliert, genau, realistisch und zugleich mit einem Hauch des Traumhaften wirkt das schweizerisch-wallisische Dorf Ardolaz wie der kolorierte Holzschnitt des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai. Die wenigen blauen und braunen Farbtöne fließen in die spartanischen Strichzeichnungen und spiegeln die Stimmung eines ganzen Tales wider. Cosey erschafft eine enorm ausdrucksstarke und stimmungsschwere Welt.

Der Worte zu viel
Wo der Schweizer grafisch fesselt und in die Bilder zieht, bleibt seine Erzählung jedoch an der Oberfläche. »Auf der Suche nach Peter Pan« möchte eine kleine Geschichte der großen Geste sein, Lebensziel, Autorität und die eigenen Ängste hinterfragen. Die Geschichte des Schriftstellers Melvin Woodsworth, der vor seinem Verleger und seiner Schreibblockade in die Berge flieht, in denen Jahre zuvor auch sein Bruder verstarb und viele Fragen hinterließ, hält wenige Überraschungen bereit und erscheint äußerst konservativ. Damit erfasst er sicherlich perfekt das Leben in dem abgeschiedenen Dorf Ardolaz, die Erfahrung einer grandiosen Stille, voll Bodenständigkeit und Bedächtigkeit. Der Weg des Autors bleibt jedoch von vornherein vorhersehbar. Trotz der vielen Schleifen und Kleinst-Happenings wirkt Coseys sich selbst findender Peter Pan trivial und kann nicht anders, als in einem schnell angehangenen Standard-Happyend auszulaufen. Als Abendfilm könnte das glatt als Romantikschnulze – um jetzt die böse Rosamunde-Pilcher-Schaufel hervorzuziehen – durchgehen.
Doch die Bilder bleiben.
:: »Auf der Suche nach Peter Pan« von Cosey erscheint bei Cross Cult, 2009 Ludwigsburg, HC 4-farbig, 160 Seiten, € 26,-
:: Leseprobe bei Cross Cult
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»M«
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Tinker Bell / 09.06.2009 / 19:13
Habs gestern und kann mich der Rezi anschließen. Der Beginn ist bärenstark, das Dorf und die Mensche werden langsam eingeführt, die Bilder sind atemberaubend schön und der Vergleich mit Hokusai treffend. Wie bei dem japanischem Maler möchte man in die Bilder hineinkreichen und dort umherstrolchen. Ab der Mitte wird die Geschichte vorhersehbar und plätschert so dahin - nicht falsch verstehen, immer noch wunderschön wie ein kalten Bergbach, aber eben ohne die erhoffte Zäsur (die sich bei einem Schriftsteller und seinen Nöten angeboten hätte…) Das Ende ist schlicht unnötig, dass hätte jeder Leser auch im Kopf weiterspinnen können…Trotzdem, ein feines Bildervergügen.