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Jazz mit Rundungen und Kurven
Seit ihrer Gründung im Jahre 2003 gelten In The Country als die Nachwuchshoffnung im norwegischen Jazz. Nicht zu Unrecht: Ihre Kompositionen sind ausgefeilt. Mitunter zu sehr…
Text: Sebastian Hinz Fotos: www.inthecountry.no
»Whiteout«, das dritte Album des Osloer Trios In The Country, ist feinsinnig um einen Höhepunkt arrangiert. Das zehnminütige »Ursa Major« ist die Quintessenz dessen, was der Pianist Morten Qvenild und seine beiden Mitstreiter Roger Arntzen am Kontrabass und Pål Hausken am Schlagzeug zu muszieren in der Lage sind. Das Leise, Schlichte, Zurückgenommene, Balladeske auf der einen Seite, das Detail-verliebte, Konzentrierte, Direkte auf der anderen Seite. In diesem zentralen Stück spiegelt sich auch die musikalische Bandbreite des Bandleaders Morten Qvenild. Der 30-jährige ist ja nicht nur Mitglied von Jaga Jazzist und Shining, sondern auch bei Solveig Slettahjell‘s Slow Motion Orchestra dabei. Darüber hinaus ist Morten Qvenild das »Orchestra« von Susanna & Her Magical Orchestra. Er weiß also etwas über das sehr kleinteilige als auch über das äußerst sparsame Komponieren. Das Zusammenbringen dieser beiden sehr unterschiedlichen Kompositionsweisen ist die große Kunst, die Morten Qvenild im Zusammenspiel mit seinen beiden Kompagnons und dem Produzenten und Multiinstrumentalisten Andreas Mjos, den Morten Qvenild aus Jaga Jazzist-Tagen kennt, auf »Whiteout« erreicht. Allerdings fügen sich Gegensätze und Heterogenität, gerade am Ende des 74 Minuten langen Werkes, dort wo die Aufmerksamkeitsspanne am niedrigsten ist, mitunter zu harmonisch in das Gesamtarrangement. Mit Erstaunen kann hier der Prozess vom Rohen zum Durchgeformten nachvollzogen werden. Nur was bleibt hängen, wenn die Kanten gerundet sind? In The Country wählen den klassischen Weg zur sublimen Ästhetik. Dafür ist ihnen kein Vorwurf zu machen. Ich bevorzuge die ungehobelte Sinnlichkeit des Ursprünglichen.

| »Whiteout« von In The Country ist bereits bei Rune Grammofon/Cargo erschienen
| In The Country - Homepage
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