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Das Parallel-Universum eines Busfahrers
Bereits seit 15 Jahren dreht Busdriver an den Rändern des HipHop-Universums seine Runden. Nun vereint er mit »Jhelli Beam« wohl das Beste aus all den bereits umkreisten Sonnensystemen
Text: Martin Silbermann
Das Beste aus seinem bisherigen Oeuvre meint hier, dass es nicht mehr ganz so sperrig wie auf frühen Veröffentlichungen zugeht, aber gleichzeitig das neue Material nicht den Pop-Appeal des letzten Albums »Roadkill Overcoat« wiederholt. Dort fand man noch den (im besten Wortsinn gemeinten) radiotauglichen Hit »Sunshowers« und einen Gastauftritt von Bianca der bezaubernden CocoRosie. Hier greift Busdriver teilweise auf frühere Ansätze zurück, um diese in die Dimensionen seines momentanen Aufenthaltsortes zu überführen. Das macht er nach wie vor mit seiner unvergleichlichen, beeindruckenden und gleichzeitig anstrengenden Weise des Vortrags, die inhaltlich zwischen Science Fiction, Popkultur, (Kunst-)Geschichte und puren Dadaismus pendelt. Gewürzt wird das ganze mit ein, zwei Teelöffeln abwegigem Humor und einer gehörigen Prise Wahnsinn. Der Leser merkt bereits, hier geht es weder um HipHop einstiger Crack-Dealer noch um den, der gemeinhin mit Worten wie »real« oder »conscious« umschrieben wird. So ist das erste Statement von »Jhelli Beam« auch »Concious rap failed us«. Hier wird dem Trends hinterher jagenden Mainstream-Rap genauso der Spiegel vorgehalten wie geschichtsbewusster Underground auf die Schippe genommen wird, am treffendsten im Song »Least Favorite Rapper« von Gast-MC Nocando zusammengefasst.
Produziert haben, wie schon auf dem letzten Longplayer, Daedalus und Nobody. Ersterer bastelt elektronische Arrangements, die sich weder um Song-Strukturen noch um Metrik kümmern. So bremst und beschleunigt er das Tempo in »Scoliosis Jones« wie ein durchgedrehter Betrunkener. Busdriver kommt natürlich trotzdem weder ins Stolpern noch unter die Räder. Den komplexesten Rhyme-Flow liefert dieser dann in »Me-Time (with the pulmonary palimpsets)« ab – simultan zur Melodie von Mozarts elfter Sonate. Nobody hingegen lässt Busdriver ans Glockenspiel und entwirft in »Happy Insider« (zusammen mit Nick Thorburn) so etwas wie Psychedelic-Rap. »Jhelli Beam« kommt somit einem Wurmloch gleich, durch das man in ein Paralleluniversum sehen kann, in dem das wahre Potenzial von Hip-Hop auch ausgeschöpft wird.
»Me-Time (with the pulmonary palimpsets)« von Busdriver, realisiert von Hiro Murai

| »Jhelli Beam« von Busdriver ist bereits bei Anti- erschienen
|MySpace - Busdriver
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