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Das ist kein Rap
Mit Speech Debelle gibt es einen kongenialen Lichtblick am weiblichen HipHop-Horizont
Text: Jens Pacholsky
Es gibt Raritäten, die entdeckt man mit einem leichten Zittern, traut seinen Augen und Ohren nicht und kann es dann gar nicht fassen. Dass das noch mal passiert. Eine dieser großen Raritäten im HipHop-Kosmos ist das Auftauchen einer Frauenstimme. Eine noch größere Rarität (aber das gilt auch für die Männerseite) ist das Auftauchen einer wirklich guten Stimme. Mit Jean Grae und Bahamadia haben wir die Besten bereits zusammen. Auf deutscher Seite konnte Pyranja anfangs immer noch richtig was reißen. Die übrigen weiblichen Stimmen wie MC Lyte oder Da Brat haben schon sehr lange nichts mehr von sich hören. Aus dem Süden Londons tritt nun eine junge Dame, die gerade mal 25 Lenzen zählt und so will in ihren Texten versteckt, dass die Seiten von Marcel Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« dafür nicht reichen dürften.
To Begin With
Speech Debelle tauchte vor knapp fünf Jahren das erste Mal bei Big Dada auf. Im Gepäck ein programmatisches Lied, dass ihr Ziel ebenso vorweg nahm, wie es die große Reise nach Australien (zu Wayne Lotek von Lotek Hifi) erst anstieß. Der Song hieß »Finish This Album«. Big Dada gab der Südlondonerin die Chance und Zeit genau dafür.
Und nun sitzen wir vor einem live eingespielten Album, das in seiner Verspieltheit und Speech Debelles Akzent ohne weiteres an The Streets »Everything Is Borrowed« heran reicht und nebenbei mit all den lockeren Gitarren wie Jack Johnson mit Boombap wirkt. An einigen Stellen kann das dann etwas seicht wirken. Aber Wayne Loteks und Plutonic Labs Produktionen geben damit der lyrischen Tiefe Speech Debelles eine perfekte Balance. Rap will Speech Debelle eben nicht sein. Es ist eine Sprachtherapie für all die Gedanken und Erfahrungen des jungen Lebens. Eine Abrechnung, so intensiv wie sonnig. Es ist echter HipHop.
:: »Speech Therapy« von Speech Debelle erscheint bei Big Dada/Rough Trade
:: Speech Debelle Music
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