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Ein Rückblick in den Kosmos
Hecq verabschiedet sich fulminant von seiner Vergangenheit der Beat-Dekonstruktion
Text: Jens Pacholsky
Wenn Ben Lukas Boysen vor seinem geologischen Musikglobus steht, muss er ihn nur drehen, mit geschlossenen Augen einen Finger aufsetzen und dann eine Geschichte erzählen. Hier die zerschlissenen Kraterlandschaften der Störgeräusche, dort die Verwerfungszone der Brüche und Erschütterungen. Weite Sanddünen, spitze Gesteinsformationen, Eiswüsten. Zersplitterte Oberflächen mit blank geputzten Drusen. Als Hecq ist der Wahlberliner seit 2003 zwischen Autechre-Multirhythmus und Bola-Harmonie geschlendert, setzte hauchdünne elektronische Glimmerschiefer in Erzgestein, warf das Ganze in plattentektonisch aktive Zonen und ließ es dort zu den schönsten Kristallen und widerstandsfähigsten Mineralen formen. Fünf Alben hat er in diesem Zeitraum geschaffen (auch wenn er das erste ungern dazu zählt). Und immer kamen andere Kombinationen heraus. Mit seinem sechsten Album »Steeltongued«, einem voll gestopften Doppel-CD-Album, geht Hecq noch einmal seine Mineraliensammlung durch, um sie nun endgültig in die Schmelze des letzten großen Vulkans zu werfen und einen neuen Globus zu kaufen, in einer anderen Welt.
Das war es dann wohl
»Steeltongued« ist so etwas wie ein Abschied vom Beatgebastel. Für Hecq seien die Kombinationsmöglichkeiten der Beats längst ausgereizt. Von nun an soll es in gänzlich neue Gefilde gehen, die in der »Hypnos Trilogy« am Ende der ersten CD bereits angedeutet werden. Ganz überraschend kommt das natürlich nicht. Auch sein letztes Werk »Night Falls« war mehr chorales Spiel, als Clubgemetzel. Wir wollen für den Frieden der elektronischen Musik aber hoffen, dass das mit dem Ausreizen nicht wirklich so fatal ist. Hecq setzt zumindest alles an die Beweisführung, wenn er in den ersten neun Titeln den Rhythmus-Häcksler anwirft. Er ist nicht ohne Grund einer der besten elektronischen Musiker im Lande. Den MC Nongenetic von den Shadow Huntaz lässt er dann einfach ohne Beat im Äther schwindeln, bevor er dem Kopfnicker direkt ins Genick fährt.
Aber kein Abschied, ohne die Freunde eingeladen zu haben. Auf der zweiten CD dürfen zwölf Künstler den Titeltrack in die Einzelteile zerlegen und ohne Installationsanleitung wieder zusammen hämmern. All die Fans und Idole sind dabei: Mothboy, Si Begg und Michael Fakesh ebenso wie Raoul Sinier, Xabec und Team Doyobi.
Ich warte jetzt einfach auf die nächste Postkarte von Hecq und bin auf den Stempel gespannt.
:: »Steeltongued« von Hecq erscheint bei Hymen Rec./Antzen
:: Hecq Heimatplanet
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