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Blindes Verständnis
Obwohl sich Buck 65 und Greetings From Tuskan noch nie getroffen haben, hält es sie nicht davon ab, zusammen ein Album aufzunehmen. Gerade der Entstehungsprozess weist »More Heart Than Brains«« als globalisierter, zeitgemäßer Ansatz des Musikmachens aus
Text: Martin Silbermann
Der Kanadier Richard Terfry aka Buck 65 ist bereits lange fünfzehn Jahre in der Manege des Indie-Rap-Zirkus unterwegs, während die Belgierin Joelle Phuong Minh Le als Greetings From Tuskan erst im Jahr 2006 ihr Debüt-Album »Lullabies For The Worriers« vorlegte. Diese Tatsache macht ihre Zusammenarbeit nicht nur trans-kontinental, sondern auch generationsübergreifend. Dabei scheinen auch die jeweiligen musikalischen Outputs nur bedingt zusammenzupassen, denn der Untergrund-HipHop von Buck 65 konzentriert sich schon seit jeher auf konkrete Geschichten und Visionen, die in einem Bewusstseinsstrom, der seines gleichen sucht, vorgetragen werden. Greetings From Tuskan hingegen legt den Fokus auf eher abstrakte Sound-Landschaften und die konzeptionelle Ergänzung von Klang und Bild bzw. von Track und Animation. Umso besser vereint sich bei ihrer Zusammenarbeit die konkrete inhaltliche Ebene mit der abstrakten ästhetischen.
Bike For Three! funktionieren prinzipiell wie jede andere (Hip-Hop-)Gruppe auch: Jemand hat einen Einfall und bastelt zum Beispiel einen Beat, darüber entstehen dann die ersten Reime und nach vielem hin & her steht ein ganzes Lied – nur dass eben hier der große Teich namens Atlantik dazwischen lag. Was hier jedoch fehlt, ist die spontane Proberaum-Stimmung (wahrscheinlich durch die zeitliche Verzögerung bzw. Verschiebung). Vielmehr sind die atmosphärischen Klänge nahezu übertrieben perfektionistisch und die Cuts & Breaks fast klinisch in die Songs integriert. Diese artifizielle und gleichzeitig sehr dunkle Sound-Ästhetik passt zwar gut zur teilweise geradezu apokalyptischen Stimmung, doch wirkt das auf Albumlänge zu bemüht, verkopft und streberhaft. Zudem ist der Rhyme-Flow von Buck 65 über lange Distanz nicht variabel genug, um für Abwechslung und Auflockerung zu sorgen. Was bleibt, ist ein Album, was krampfhaft versucht, wirklich alles richtig zu machen und dem es genau deshalb an Lockerheit mangelt. Musikalisch zwar ne ganz andere Ecke, aber wie sagten Pavement so schön: »A for effort and a B for delivery«.

| »More Heart Than Brains« von Bike For Three! ist bei Anticon erschienen
| Bike For Three!
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