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Ohne Blickfang

Jon J Muth Graphic Novel-Adaption von Fritz Langs »M – Eine Stadt sucht einen Mörder« erscheint auf Deutsch

Text: Jens Pacholsky

Zu Fritz Langs Filmklassiker »M – Eine Stadt sucht einen Mörder« muss und soll an dieser Stelle nicht viel gesagt werden. Der Film über die Jagd einer Stadt auf einen Mörder von 1931 war revolutionär in seiner Erzählweise und Visualisierung. Nicht umsonst ist »M« einer der wenigen Klassiker, die bislang keinen Remake erleiden mussten.

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In den losgelösten Momentaufnahmen ist Jon J Muth am intensivsten. Je rasanter die Geschichte wird, desto stärker verliert er den Pfaden der Bilder.

Die Last der Methodik
Oder zumindest fast. Jon J Muth, mittlerweile alter Hase im Comic- und Illustrationsgeschäft, hat sich Ende der 1980er Jahre an genau dieses Vorhaben gesetzt und 1991 den Film als Graphic Novel aufbereitet. Auch Muth ging seinerzeits revolutionär vor. Der Amerikaner schoss Fotoserien und setzte diese in Tuschezeichnungen um. 2009 also knapp 20 Jahre später, wirken diese Bilder interessanterweise (und leider) arg wie Photoshop CS1 mit Tuschefilter und Weichzeichner in der Makro-Palette. Und so innovativ und zeitaufwendig Muths Methode damals war, so effektfrei wirkt sein Werk heute. Das hat nicht nur etwas mit der Methode zu tun, aber zumindest scheinen Werk und Werkzeug Muth wie der Atlas’ Globus auf den Schultern zu lasten, so dass eine Bewegung unmöglich wird. Das Vorhaben war prätentiös und leidet genau darunter. Zu eindeutig erkennt man Motivquelle (die Fotografie) und Bearbeitung. Zu wenig verkörpern die Bilder in Fleisch und Farbe die Geschichte Langs. Langs kontrastreiche Bildgewalt wird zu einem weichen, graumelierten Sepia.
In den besten Momenten löst sich Muth vom Schatten Langs und von der Last der inhaltlichen Originaltreue. Dann rinnt in springenden Bildern Kaffee blutrot auf die Küchendecke. Oder die stets geisterhafte Erscheinung der Bilder bekommt mit einem Wahnbild des Kindmörders Beckert genau den gespenstischen, durch Blut belebten Inhalt, den sie suggeriert. In diesen Momenten ist die Orchestrierung, Methode und Erzählung im Einklang. Es sind die Momente ohne Text und ohne konkreten Zusammenhang in der Erzählstruktur. Und es sind die einzigen Momente ohne Referenz zu Fritz Langs Vorlage.

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Unstete Architektur
Doch bleibt Schatten des Regisseurs nicht das einzige Problematische. Die Sprechblasen, welche die Sequenzierung vieler Bilder überhaupt erst aufrechterhalten, sind zugleich fundamentale Störelemente in den Bildern. Schrift und Form erinnern an Taschenbuch-Comics. Die Bilder werden durch die astrein weißen Blasen zerschnitten und aufgelöst. Parallel dazu findet sich in den Bildern nur selten ein spannender Aufbau. Selten wird man gezwungen, sie anzustarren. Es bleiben nur flüchtige Blicke über eine Welt, welche zudem die 1920er Jahre verkörpern soll und wiederholt wie die 1980er wirkt. Damit muss auch das Kompliment des deutschen Filmemachers Jochen Ecke als Illusion abgetan werden. Dieser schreibt im Nachwort: »Denn die Bilder auf der Comic-Seite sind nicht vergänglich wie die 24 Fotografien, die uns im Film pro Sekunde gezeigt werden. Die Panels einer Graphic Novel gewinnen eine zeitliche Abfolge nur im Kopf des Lesers. Gleichzeitig aber vergehen sie nicht. Sie bleiben auf der Seite […]«.Bei Muth rutscht der Blick sehr oft daran ab.

:: »M« von Jon J Muth erscheint bei Cross Cult, Asperg 2009, 16×24, Hardcover, vierfarbig, 192 S., € 25,-
:: Leseproben



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