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Krimikolumne III

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Neue, brandheiße Noirs, die man unbedingt lesen muss, wenn man starke Nerven und einen gewissen Humor hat: Nisbet, Ellroy und Johnson



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Krimikolumne II

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Vom postatomaren Japan über die tiefen Wiener Sümpfe eines Wolf Haas’ bis hin zum Münchner Südfriedhof: Vier recycelte Realitäten.



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Demont / Schenker: Ansichten vom Göttlichen

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Anscheinend glaubt die Schweizer Jugend geschlossen und uneingeschränkt an Gott. Werbebroschüre oder realistisches Porträt?

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Saufen bis der Arzt kommt

Bei einer Flasche Chardonnay denke ich noch mal über die Apartheid nach, versprochen

Text: Roland Oßwald Foto: Georg Osswald

Der erste Ritt

Das »Kap der Angst« von Roger Smith (Tropen), »Jack Taylor fliegt raus« von Ken Bruen (Atrium), »Flop« von Ken Bruen und Jason Starr (Rotbuch) sowie dessen Fortsetzung »Crack« vom gleichen Autorengespann formen die magere Ausbeute meines - wenn ich so aus dem Fenster gucke weit entfernten - Krimisommers. Aber versprochen, und wie auch für diesen Herbst angekündigt, werden viele Bücher folgen. Wenn ich von Kriminalromanen spreche, meine ich übrigens grob über den Kamm geschoren Spannungsromane mit all ihren Facetten und Blüten.
Die beiden Bücher des Autorengespanns Bruen/Starr lesen sich ja auch eher wie eine Satire auf das Genre. Wie man von diesen beiden Schriftstellern erwarten konnte, säuft, kokst, vögelt und tötet der white trash Amerikas und Irlands darin um die Wette. Sicher, in den New York-Kapiteln ballern auch zwanglose Homies in der Geschichte herum, aber das nur am Rande. Die Weißen glotzen andauernd Scarface (natürlich DePalmas, nicht Hawks’) und versuchen mit Al Pacinos Duktus und Habitus ihren schwarzen Brüdern das Crack aus der Pfeife zu stibitzen, was ihnen mitunter auch gelingt. Daneben geistern Boyos (IRA) durch die Bronx, Harlem oder Queens mit dem Versuch in die Annalen amerikanischer Serienkillerhistorie zu gelangen. Ihr Kochrezept dafür lautet ganz simpel: Masse statt Klasse; wer am meisten Menschen killt, landet in der Hall of Fame der bad guys. Eines ist allen männlichen Protagonisten gemein: Sie legen möglichst die gleichen nymphomanen, großbusigen Frauen flach. So sieht also dann der irische Traum von den Vereinigten Staaten aus.
In »Jack Taylor fliegt raus« (diesmal Ken Bruen solo) wird das Genre subtiler auf die Schippe genommen. Hier das Grundmuster:
»Der Herr Finanzministerialdirigent war aus dem Wagen und kam auf mich zu. Zutiefst indigniert rief er:
‘Sie unverschämter junger Spund, das kostet Sie Ihren Job. Haben Sie eine Ahnung, was passieren wird?’
Ich sagte:
‘Ich weiß genau, was passieren wird.’
Und haute ihm aufs Maul.«

Kurz, prägnant, Plot orientiert. Das geht auf. Natürlich wird auch hier gesoffen bis der Arzt kommt, natürlich, wir sind in Irland, muss auch über Joyce philosophiert werden. Andere Klischees werden allerdings weniger abgegrast. Keine großen Brüste und offenen Schenkel mehr. Der Gegenspieler Jack Taylors bietet schon ausreichend Reibungsfläche und macht den Held dadurch sympathisch. Man kann sich schon auf den nächsten Taylor freuen, wenn es wieder heißt, »Am Anfang hat Jack ja nur gesoffen, aber jetzt kokst er auch«.
Wer es mit dem Töten wirklich ernst nimmt, ist Roger Smith in »Kap der Finsternis«. Mit Gefühl gelesen stirbt hier in jedem Kapitel ein Mensch. Mindestens. Auch hier gilt: Masse statt Klasse. Allerdings scheinen die Morde - so düster Roger Smith Kapstadt zeichnet - alles andere als übertrieben. Die Geschichte des Landes, seine Menschen, ihre Politik und der Alltag des survival of the fittest fressen sich gleichermaßen in die Seele seiner Figuren und seiner Leser. Roger Smiths Buch wird von einer gut konzipierten Spannung getragen, liest sich zügig und macht Angst vor einem Urlaub in Südafrika, aber trotzdem Spaß. Wovon kaum ein südafrikanischer Autor frei ist, auch Roger Smith nicht, ist die Suche nach möglichst vielen Motiven in der Apartheid. Ohne mich groß auszukennen bin ich mir sicher, irgendwann auch am Kap auf Gangsterplots zu stoßen, die von einer demokratischen Gier getrieben werden und ohne Apartheid auskommen. Vielleicht denke ich darüber noch mal ein bisschen nach, bei einem südafrikanischen Chardonnay, den ich mir jetzt gönne. Fortsetzung folgt.



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