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Krimikolumne III

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Neue, brandheiße Noirs, die man unbedingt lesen muss, wenn man starke Nerven und einen gewissen Humor hat: Nisbet, Ellroy und Johnson



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Krimikolumne II

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Vom postatomaren Japan über die tiefen Wiener Sümpfe eines Wolf Haas’ bis hin zum Münchner Südfriedhof: Vier recycelte Realitäten.



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Demont / Schenker: Ansichten vom Göttlichen

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Anscheinend glaubt die Schweizer Jugend geschlossen und uneingeschränkt an Gott. Werbebroschüre oder realistisches Porträt?

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Was der Mann macht, der einen nicht stört …

Die Liebeserklärung eines Zynikers und Misanthropen an die Liebe

Text: Janine Andert

Eine namenlose Frau mittleren Alters macht mit ihrem Mann Urlaub auf einer kleinen Insel im Südchinesischen Meer. Der Mann fährt nach einigen Tagen aufs Festland, um der Frau Zeitungen zu kaufen, und kehrt nicht zurück. Die Erzählung setzt drei Monate später ein. Die Frau immer noch auf der Insel, verloren in ihren Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, sich gehen lassend. Melancholische, liebevolle Episoden aus der Vergangenheit wechseln sich mit der Beschreibung des Lebens auf der Insel ab. Erst recht spät erfährt der Leser, was überhaupt geschehen ist. Er weiß, dass der Mann nicht mehr bei der Frau ist. Über ein Warum kann er nur spekulieren. Dabei sind die Wendungen im Roman wie immer überraschend, wie immer möchte man das Geschriebene auswendig lernen.
Sibylle Bergs neuer, bei Hanser erschiener Roman »Der Mann schläft« hebt sich deutlich vom Kulturpessimismus und der Resignation ihrer früheren Romane ab. Neuer Verlag, neuer Optimismus möchte man meinen. Er ist ein Hoch auf die Liebe und gleichzeitig Schilderung menschlicher Einsamkeit. Ein Hoch auf die kleinen zwischenmenschlichen Dinge, die, wenn vorhanden, kaum wahrgenommen werden; Dinge, Situationen, Gewohnheiten, die erst durch ihre Abwesenheit verdeutlichen, dass sie das Glück waren. Die Protagonistin tut sich schwer damit, dieses Glück überhaupt Liebe zu nennen, dachte sie doch immer, Liebe sei ein »Marketinginstrument«. Was hier beschrieben wird ist im Gegensatz zum gängigen Hollywood-Klischee auch nicht leidenschaftlich, sondern still und schweigsam. Liebe lässt den Menschen sich selbst vergessen und macht das Leben gerade dadurch erträglich. Gleichwohl ist »Der Mann schläft« die Weitererzählung Bergs bisheriger Texte. Die Protagonistin hatte die bekannten, von Frau Berg gerne geschilderten Paarerfahrungen ebenfalls gemacht – bis sie DEN MANN kennen lernte. Alle Lebensentwürfe sind ob der Sinnlosigkeit menschlichen Lebens und der Überschätzung der menschlichen Rasse durch sich selbst irrelevant. Am Ende bleibt nur die Liebe, um das Weilen auf Erden erträglich zu gestalten. Eine Erkenntnis die man nicht von Frau Berg erwartet hätte. Das Glück liegt in einer verlässlichen, froh machenden Routine. Es ist Glück, jemanden zu treffen, »den man so gern hat, dass er einen nie stört«. Dabei verfällt Berg nicht in überschwänglichen Hedonismus, sondern benennt das Elend der Menschheit wie eh und je – nur eben mit einem möglichen Ausweg. Der Roman ist die Liebeserklärung eines Zynikers und Misanthropen an die Liebe. Herzerwärmend und doch gewohnt bitterböse. Neben all dem Romantizismus steht die Angst vor der Einsamkeit und die Gewissheit, dass einem alles dauernd genommen werden kann. Gleichzeitig aber auch das Wissen darum, dass man vom Glück unverhofft getroffen wird. »Der Mann schläft« schafft die Gradwanderung zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Entgegen bisheriger Romane von Sibylle Berg wird der Leser nicht mit Resignation, sondern mit einem Hoffnungsschimmer zurückgelassen.

:: »Der Mann schläft« von Sibylle Berg, Hanser Verlag, München 2009, 308 S., € 19,90



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