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Der immergleiche Traum vom Glück
Vier lange Jahre hat es gedauert, bis Selim Özdogan nach seinem viel gelobten Roman »Die Tochter des Schmieds« ein neues Buch geschrieben hat. Nun ist sein siebter Roman »Zwischen zwei Träumen« erschienen.
Text: Judith Taudien
»Manchmal glaubte ich, mein Wunsch und die Träume könnten mich nicht mehr zusammenhalten, ich würde in tausend Teile zerfallen, einfach zerbersten. Ein halbes Jahr voller Mühsal, Verzweiflung und Frustrationen, mit zu wenig Schlaf, Fahrten im Smog, neidvollen Besuchen auf Träumereien, ein halbes Jahr voll Hoffnung, jedes Mal wenn ich meine E-Mails abrief, ein halbes Jahr, das länger war, als die Langeweile es je hätte dehnen können. Dann wurde ich zu meinem ersten Vorträumen eingeladen.«
Ginge es nach Hans Peter Roentgen, dann wäre es eine »Affenschande«, käme Selim Özdogans neuestes Werk im Oktober nicht wenigstens auf die Shortlist des deutschen Buchpreises, so toll findet er die Geschichte um den Träumer Nesta, wie er in seiner Rezension für das Literaturnetz literature.de schreibt.
Nesta ist ein Träumer, der es liebt, die Tage mit seinem besten Freund Sal in einem alten, heruntergekommen Schuppen zu vertrödeln, Bassstaub zu rauchen, Musik zu hören und der großen Zukunft zu träumen . Nesta und Sal leben in einer Welt, in der man Träume konsumieren kann wie Drogen, um dem trostlosen Alltag einer Hochhaussiedlung zu entkommen. Und Nesta möchte mit seinen Träumen berühmt werden. Also beginnt er, seine Träume in einem Tagebuch festzuhalten und zu Events zu gehen, die Selim Özdogan in seinem Roman Vorträumen nennt. Dort lernt er eines Tages Tedeisha kennen, die den gleichen Wunsch hat wie Nesta: Als Träumerin berühmt zu werden.
Doch während es ihr gelingt und Sal auch noch ein gefragter DJ wird, bleibt Nesta allein zurück, erfolglos. So verbringt er ganze Tage damit, die halluzinogenen Tropfen fremder Menschen zu träumen, verliert seine Arbeit als Kurierfahrer und jeden Bezug zum Leben. Doch dann tauchen plötzlich diese besonderen Tropfen auf, aus denen man nicht mehr aufwacht. Und weil Nestas große Liebe Tedeisha ebenfalls ein Opfer jener Tropfen wird, sieht er endlich seine Chance gekommen, denn nur er kann sie aus dem endlosen Traum retten.
Nach seinem erfolgreichen Roman »Die Tochter des Schmieds« war es still geworden um den 1971 geborenen Autor Selim Özdogan. Jetzt ist er mit neuem Verlag und einem neuen Roman wieder da. Die Gestaltung des Umschlags von »Zwischen zwei Träumen« ist durchaus etwas gewöhnungsbedürftig und erinnert auf den ersten Blick an die Bücher des Science-Fiction Autors und Scientology-Gründers Ron Hubbard. Kein Bild ziert das Buchcover, wie bisher, sondern lediglich große dunkelviolett und weiß leuchtende Buchstaben. Und auch eine Geschichte über fiktive Drogen und deren Wirkungen zu schreiben, klingt verwirrend und hätte daneben gehen können, auch weil Traumwelt und Realität im Roman oftmals ineinander übergehen und nicht auseinander zu halten sind. Trotzdem gelingt es ihm, in seinem neuen Buch, eine spannende und verzaubernde Geschichte in seiner typischen märchenhaften Sprache zu erzählen. Auch, wenn es der Roman letztendlich nicht auf die besagte Shortlist des deutschen Buchpreises geschafft hat, vielleicht auch, weil Özdogans Erzählstil an manchen Stellen recht pathetisch anmutet.
In seinem Roman greift Özdogan ein bekanntes und altes Motiv der Literaturgeschichte auf: Die Schaffung einer Parallelwelt durch Drogenkonsum und eines neuen Gemeinschaftsgefühls durch Träume. Denn, beim Konsumieren der Traumtropfen träumen alle ein und dasselbe. Doch nur sein Held Nesta schafft es, in seinen Träumen nicht allein zu sein, sondern anderen Menschen zu begegnen. Und durch diese besondere Gabe ist es schließlich auch nur er, der seine Freundin Tedeisha aus dem Traum, aus dem sie nicht mehr aufwachen würde, zurück ins Leben zu holen.
So ist »Zwischen zwei Träumen« in erster Linie ein Buch über Freundschaft geworden. Und es ist ein trauriges Buch. Ohne Happy End. Aber schließlich müssen ja nicht alle Märchen ein glückliches und kitschiges Ende haben.
:: »Zwischen zwei Träumen« von Selim Özdogan, Edition Lübbe, Bergisch Gladbach 2009, 448 S., € 18,95
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