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Demont / Schenker: Ansichten vom Göttlichen

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Anscheinend glaubt die Schweizer Jugend geschlossen und uneingeschränkt an Gott. Werbebroschüre oder realistisches Porträt?

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Ein Leben ohne Algebra

Sebastian Horsleys Biografie ist einfach zu gut, um sie in der Öffentlichkeit zu lesen

Text: Judith Taudien Foto: www.nickcunard.co.uk

»Es ist besser, wenn man ein wenig doof ist, dann entgeht einem das Ausmaß der eigenen Unzulänglichkeit. Ich aber wusste darüber nur allzu gut Bescheid. Und Ashs Brillanz machte alles nur noch schlimmer. Sie blendete jeden mit ihren Fähigkeiten in Mathematik, Sprachen und den anderen Wissenschaften – samt und sonders Gebiete, von denen ich nichts verstand und bis heute nichts verstehe. (Im wirklichen Leben, das versichere ich, gibt es keine Algebra. Ich musste noch nie zu einem Formelbuch greifen, um herauszufinden, was ich meinem Dealer schulde.)«

In einer Großstadt wie Berlin kommt es ziemlich häufig vor, dass Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit in der U- oder S-Bahn lesend die Fahrzeit vertreiben. Doch die Biografie von Sebastian Horsley sollte man lieber nicht in der Öffentlichkeit lesen. Zu groß ist die Gefahr, der Sitznachbar könnte herüberschulen und mitlesen. Und, dass der dann eine Stelle im Buch liest, die es nicht schafft, einen vor Verlegenheit erröten zu lassen, ist recht gering. Schließlich sei das Buch, so hieß es in einer Rezension, zum Teil »so obszön, dass man sich schon schuldig fühlt, wenn man’ s nur liest.«
Nun sind ja Bücher, in denen detailliert über Sex und Drogenkonsum berichtet wird, keine Seltenheit. Was also soll denn nun ausgerechnet an diesem Buch so außergewöhnlich sein, dass es Bryan Ferry, Sänger der 70er Jahre Band Roxy Music, als ein »schmutziges Meisterwerk« bezeichnet? Die Handlung allein ist es wohl nicht. Vielmehr schockiert, dass es sich bei dem Buch um die Lebensgeschichte des Londoner Künstlers und Journalisten Sebastian Horsley handeln soll und die ist voll von allen möglichen Kuriositäten und Absurditäten des menschlichen Daseins, ungeschönt, direkt und oft ziemlich brutal, aber immer auch mit einer Menge Selbstironie.

Aber mal von vorne. Die Familie von Sebastian Horsley ist eine von denen, die man eigentlich nicht geschenkt haben möchte. Fast alles, was es so gibt, scheint ausgerechnet dort vorhanden zu sein: reiche, aber ständig betrunkene Eltern, die ihre Kinder sich ständig sich selbst überlassen, eine geisteskranke Großmutter und Liebhaberinnern und Liebhaber der Eltern, die im Anwesen der Familie ein und ausgehen. Eigentlich kein Wunder, dass das Leben des 1962 geborenen Autors alles andere als in konventionellen Bahnen verläuft. Und so zieht sich Extravaganz, Drama und Gewalt wie ein roter Faden durch die Biografie des modernen Dandys, dessen Leben mit einer gescheiterten Abtreibung durch eine Überdosis Pillen beginnt. Und schließlich mit einem Kreuzigungsritual auf den Philippinen endet. Zwischendrin feiert er seinen 21. Geburtstag in Auschwitz, heiratet und stirbt beinahe bei einem Fallschirmsprung.

Horsleys außergewöhnliche Laufbahn als Dandy, Drogenabhängiger und sexuell Experimentierender beginnt, als er als Zehnjähriger seine Liebe zu Marc Bolan entdeckt. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Sebastian Horsley für den Titel seines Romans einen alten T.Rex Song von 1977 klaut. Und die Zeit, die er in seinem Leben mal nicht mit Sex, dem Nachdenken über Sex oder der Einnahme irgendwelcher Drogen verbringt, füllt der heute 42jährige mit Schminken, knallbunten Anzügen, Plündern von Kunsthochschulen und Musikmachen, die allerdings auch niemand hören will. Bleibt noch etwas Zeit übrig, in diesem streng geregelten Tagesablauf, wird eben gewichst. Dinge, die man eben so macht, wenn man jung ist.

:: »Dandy in der Unterwelt« von Sebastian Horsley, Blumenbar Verlag, München 2009, 460 S., € 19,90



Kommentare

  1. Martin Reinwald / 29.06.2010 / 15:43

    Und am Ende bricht es doch allen das Herz. Auch wenn Ironie ein Schutzschild abgibt, welches einen vor der Welt beschützen kann, aber am Ende…! Sebastians eigene Worte,eine Woche vor seinem Tod.
    Viele werden Dich nie vergessen.
    Vielleicht- bis dann einmal…

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