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Krimikolumne II

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Vom postatomaren Japan über die tiefen Wiener Sümpfe eines Wolf Haas’ bis hin zum Münchner Südfriedhof: Vier recycelte Realitäten.



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Demont / Schenker: Ansichten vom Göttlichen

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Anscheinend glaubt die Schweizer Jugend geschlossen und uneingeschränkt an Gott. Werbebroschüre oder realistisches Porträt?

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Träumt weiter

Werbebroschüre oder realistisches Gesellschaftsporträt? Zweiundzwanzig jugendliche, erstaunlich homogene Stellungnahmen zur Religion

Text: Ronald Klein

Knapp 80 Prozent der Schweizer gehören der Katholischen Kirche oder der Evangelisch-Reformierten an. Zwar stellen Angehörige jüdischen Glaubens oder Freikirchen – ebenso wie die Konfessionslosen – rein rechnerisch eine Minderheit dar. Doch die Religionsfreiheit ist seit Langem in der Verfassung verankert. Kaum verwunderlich, in einer Gesellschaft, die bereits vor etlichen Jahrhunderten ihren Tyrannen ins Jenseits beförderte, statt Unterdrückung zu dulden. Auch wenn der Tell-Mythos durch Schiller entsprechend der humanistischen Idee der Freiheit literarisch erweitert wurde, so zählt die Eidgenossenschaft doch zu einem Land mit langer demokratischer Tradition.
So scheint es kaum erstaunlich, dass auch die 22 Jugendlichen, die von ihrer Vorstellung von Gott und ihrer individuellen Bedeutung der Religion berichten, dies mit einer enormen Mäßigung tun. Während hierzulande vermeintliche Hassprediger und obskure Freikirchen auf den Nachwuchs lauern, ihn indoktrinieren, zeichnet das Buch »Ansichten vom Göttlichen« das Bild einer Generation, die problemlos Religion und Spiritualität in ihr tolerantes und aufgeklärtes Weltbild integriert.

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Wenn es doch so einfach wäre. Die 22 jungen Menschen sind allesamt nett fotografiert und strotzen in ihren Selbstporträts vor Jugendlichkeit und gleichzeitiger Reflektiertheit. Ihr vermeintlicher O-Ton kommt bereits so geschliffen und damit unauthentisch daher, dass man glaubt, die Werbebroschüre einer jungen Religionsgemeinschaft vor Augen zu haben. Wo bleiben die Ecken und Kanten? Die Probleme mit dem Glauben? Die Sinnsuche? Scheinbar alles längst gelöst. »Eigentlich schaffen wir uns Gott im Kopf«, lautet dann auch der gewagteste Satz. Wir erschauern! Derart nassforsch!
So bleibt am Ende ein großes Fragezeichen. Was möchten uns die Herausgeber mit den 22 Porträts nahebringen? Dass die Jugend besser ist als ihr Ruf? Okay, geschenkt. Dass Gott und Urbanität sich nicht widersprechen? Wie man es auch anpackt, was bleibt, ist ein fades Gefühl.

:: Oliver Demont / Dominik Schenker: Ansichten vom Göttlichen. 22 Jugendliche. Salis Verlag, 224 S., 44 farbige Abbildungen, CHF 39.80 / € 24.90



Kommentare

  1. Friedrich / 16.11.2009 / 12:56

    Hey,
    cooler Beitrag! Ich bin auch nicht wirklich sicher über die gewollt übermittelte Botschaft. Es ist schon komisch, dass im Allgemeinen die Religion einen besseren Ruf machen soll. Ist es nicht die Religion wegen der die meisten Kriege auftreten? Naja… mal schaun wie es so weitergeht…

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