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Eleh

»Location Momentum«

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Die Minimal Music von Eleh visiert das tiefe, untere Ende des Audiospektrums an und wird so zu einem modernen wie zeitlosen Klangereignis



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Loscil

»Endless Falls«

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Auf seinem fünften Album kann der Kanadier seinem erprobten Soundentwurf noch etwas hinzufügen. Die Überraschung kommt erst ganz am Ende



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Toro Y Moi

»Causer Of This«

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Ein 23-jähriger Jungspund aus Columbia, South Carolina schafft die kenntnisreichste Popmusik dieses jungen Jahres

Artikel

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»Das ist wahr. Das ist nicht so ein Klischee.«

Der Nino aus Wien spricht über Wien, Wien, Wien und über seine Musik.

Text: Sebastian Hoffmann, Falk Quenstedt

Herbst in Berlin. Mittwochabend. Regen. Der Weinbergspark verschwindet in Nebel und Dunkelheit, ein finsteres Loch in der Stadt. Scheinwerfer rauschen über die Kreuzung vor dem King-Kong-Klub. In aller Gemächlichkeit beginnt dort der Konzertabend „Wien in Berlin“, der vielversprechende Musiker aus der österreichischen Hauptstadt dem Berliner Publikum vorstellt. Die Wiener sitzen in großer Runde auf den ausladenden, ausgesessenen Ledercouchs. Einer von ihnen steht auf und trottet zu uns an die Bar. Seine Bewegungen sind fahrig und gleichen denen einer »schlampert« geführten Marionette. Es handelt sich um Nino Mandl, den »Nino aus Wien«. Er ist gerade einmal 22 Jahre alt und wird angesichts seiner skurrilen wie originellen Texte und seiner anrührenden wie spröden Melodien in Wien als die neue Singer-/Songwriter-Hoffnung gehandelt. Er hat seit letztem Jahr zwei Alben bei dem kleinen Wiener Label Problembär-Records veröffentlicht: »The Ocelot Show« und »Down in Albern«. Wir kennen uns schon von gemeinsamen Konzerten in Wien und Berlin zu Beginn des Jahres und freuen uns über das Wiedersehen. Wir bestellen ein Bier, zünden Zigaretten an und kurz bevor wie den MP3-Recorder einschalten, beteuert Nino, wir sollten uns keine Sorgen machen, er sei nicht bösartig.

Wie gefällt es dir in Berlin?
Nino Mandl: Also, es ist ganz anders als Wien. Es ist riesengroß. Und ich finde mich nicht wirklich zurecht hier, weil es so groß ist, weil die Abstände zwischen den Plätzen so riesig sind. Und es ist keine sonderlich schöne Stadt, im Gegensatz zu Wien, glaube ich, ist es schon hässlich. Das ist nicht negativ gemeint. Aber ich will hier nicht leben. Ich will lieber in einer kleineren Stadt leben, in Wien zum Beispiel.

Wien ist doch aber auch eine Großstadt.
Ja, aber sie ist anders aufgebaut, glaube ich. Es ist nicht alles so weit. Es ist alles eher so eng.

Könntest Du außerhalb Wiens leben?
Ja, es gibt eine Stadt in der ich leben könnte außer in Wien, das wäre Triest. Weil, es ist fast wie Wien, es ist nur italienisch. Ja, da würde ich leben können. Aber erst später, wenn ich keine Musik mehr mache, sondern nur noch Bücher schreibe.

Wirst Du – auf Tour in Österreich – als Wiener Künstler wahrgenommen?
Ich bin selten nur rausgekommen aus Wien. Ich war nur in ein paar kleinen Dörfern um Wien herum und dort interessiert sich keiner für mich. Ich glaube, in Wien spiele ich so oft, dass mich dort jeder schon kennt. Es ist schon fast ein bisschen langweilig. Bis auf Berlin war ich in keiner anderen größeren Stadt. Aber nächstes Jahr werde ich das austesten, weil ich nach Graz fahren werde, nach Linz und nach Salzburg… und nach Liechtenstein.

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»Wien ist eine gute Stadt zum Sterben.«

Nochmal zu Wien: Wien hat ja so etwas Morbides. Im Vergleich zu Berlin könnte man sagen: Während Berlin von außen kaputt ist, ist Wien von innen kaputt. Hast du mit dieser Morbidität – oder diese mit dir - etwas zu tun?
Wir haben eine dunkelschwarze Szene in Wien. Da ist wahr. Das ist nicht so ein Klischee. Das merke ich auch, wenn ich rauskomme aus Wien. Weil die Leute da, in Berlin, sind freundlich. Wien ist eine schlechtgelaunte Stadt, ja, eine dunkelschwarze Stadt. Eine gute Stadt zum Sterben eigentlich. Eine gute Stadt zum Sterben.

Wir geben zu, dass diese aggressive, wenn nicht brutale, Schlechtgelauntheit der Wiener jüngst bei einem Wien-Besuch eine große Faszination auf uns ausgeübt hat, auch und gerade als Gegensatz zu einer gewissen Offenheit hier in Berlin.
Wenn du in Wien lebst, willst du eigentlich immer weg, aber wenn du weg bist, willst du immer wieder nach Wien. Er wurde sicher schon oft gesagt, dieser Satz, aber er ist wahr.

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»Für mich ist alles Pop.«

Bei Last.fm steht, der Nino sei nicht Folk, sondern Pop. Das ist, glaube ich, beim Hören des ersten Albums gar nicht nachvollziehbar, beim Hören des zweiten Albums etwas mehr. Was sagst du dazu?
Hm. Ich hab schon einmal gesagt, dass ich das Wort »Pop« mag, weil es so kurz ist. Kurz und bündig. Ich bezeichne praktisch jede Musik als Pop, weil mir das Wort gefällt und ich dann gar nicht so viel überlegen brauch. Ich will nicht so viel überlegen, was was ist. Und deswegen sag ich immer: Pop und »poasst scho«. Für mich ist alles Pop. Alles, was im Radio läuft, ist Pop, egal welcher Radiosender.

Das widerspricht deinen Texten. Wir haben jetzt über deinen Musikbegriff gesprochen. Aber deine Texte zeugen von Nachdenklichkeit im Umgang mit der Welt.
(lacht) Ja, aber in Bezug auf Musikrichtungen denk ich gar nicht nach. Das ist Zeitverschwendung für mich. Ich bin kein Musikjournalist oder Musikkenner. Ich kenn mich gar nicht aus. Ich höre gern Musik, aber ich mach mir keine Gedanken darüber.

Ich hab das Gefühl, die spannendste deutschsprachige Musik zurzeit aus Österreich kommt: Leute wie Gustav, die »Problembär«-Bands oder die Teilnehmer beim Protestsong-Wettbewerb auf FM4 und so weiter… Meinst Du, dass das eine Reaktion auf die Verhältnisse in Österreich ist?
Naja, der Protestsong-Contest – da hab ich ja selber mitgemacht – das war eher eine lächerliche Veranstaltung. Das kann man nicht so ernst nehmen. Das sind einfach ein paar Leute, die Lieder singen wollen vor vielen Leuten. Das ist nicht sehr ernst zu nehmen, politisch.

Dein Beitrag war ja auch ein Anti-Spinat-Song. Nur, gilt das für die andern auch? Hatten die eine ähnliche Herangehensweise?
(windet sich) Ja, die andern waren da auch nicht besser. Ich glaube, mein Lied war nicht viel anders als die anderen Lieder. Das war eine relativ uninteressante Veranstaltung. Ich hab kein Lied wirklich sehr gemocht dort. Aber es ist ganz nett für Leute, die unbekannt sind und so, zum Bekanntwerden. Halt ein Bandwettbewerb. Nicht mehr. Aber weil du österreichische Künstler angesprochen hast: Da gibt es eine Handvoll, die ich mag. Zum Beispiel den Sir Tralala, mit dem ich ja öfter gespielt habe in Wien…

…der auch für dein zweites Album nicht unwichtig war, bei der Produktion, und übrigens gerade im Hintergrund auf seiner Gitarre klimpert…
…ja, genau, der hat Geige gespielt und ein Lied komplett produziert. Dann gibt es noch die Band Mob, die auch Deutsch singen, die schöne Pop-Songs schreiben. Die mag ich sehr und Soap & Skin. Die ist zwar nie in Wien, weil sie immer in New York und in Paris und so auftritt, aber ich mag sie halt.

Eine Frage zu deinem Schaffen selbst, also zu deinem Antrieb: Du hast im Booklet deines ersten Albums, »The Ocelot Show«, drucken lassen, dass du die Lieder geschrieben hast, weil du sie schreiben musstest. Was ist das für eine Notwendigkeit?
Das weiß ich selber nicht. Ich hab’s mir nicht so ausgesucht, kommt mir vor. Das Liederschreiben hat einfach irgendwann begonnen. Dass ich Lieder schreiben musste, weil ich irgendwas im Kopf hatte, irgendwelche Musik oder irgendwelche Worte. Und dann hat sich das einfach nicht aufgehört. Manchmal ist das stärker, manchmal ist das schwächer. Manchmal schreib ich auch ein paar Wochen gar keine Lieder und dann wieder vier an einem Tag.

Ist es quälend, Lieder zu schreiben? Oder ist es schön? Oder ist es beides?
Ähm, es ist schon schön. Aber es ist nicht ganz einfach. Es kann einen auch ein bisschen herunterziehen, manchmal. Naja, aber ich bin eigentlich relativ fröhlich, wenn ich Lieder schreibe. Auch wenn ich ein trauriges Lied schreibe. Wobei, als ich das fröhlichste Lied, »Holidays«, geschrieben habe, da war ich sehr traurig und es wurde dann doch ein fröhliches Lied. Eigentlich ist es aber ein trauriges Lied, weil ich mich erinnere: Ich war sehr traurig, als ich es geschrieben habe. Ich habe es mit Keyboard geschrieben. Es ist das einzige Lied, das ich mit Keyboard geschrieben habe. Sonst mit Gitarre.

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»Keiner macht mehr Sport, keiner geht Schwimmen, aber Party, das geht.«

Mir fällt allgemein etwas auf an deiner Musik und auch an deinem Auftreten als Person, oder, mal davon abgesehen, auch in deinen Musikvideos: So eine Müdigkeit, eine Trägheit. Vielleicht hat das auch etwas mit Wien zu tun. Und bei deinen Liedern, gerade bei »Holidays«, fiel mir so ein »Sich-Aufraffen« auf, deswegen hab ich auch gefragt, ob es vielleicht quälend ist, sie zu schreiben. Und das steht ja auch im Zentrum von »Holidays«, dieser Dialog: »Was machen wir?« – »Nix.« – »Gehen wir ein Eis essen?« – »Keine gute Idee.« Also diese Langeweile und Trägheit und alle Optionen sind im Grunde auch nicht möglich und dann setzt du aber doch einfach was dagegen und das hat vielleicht dann mit Musik zu tun?
»Holidays« handelt davon – ich hab es im Sommer geschrieben –, dass ich sehr viel unternehmen wollte. Ich war sehr unternehmungslustig, aber keiner wollte irgendwas machen. Meine Verwandten und Freunde wollten nur Fernsehen, den ganzen Tag. Sie wollten nicht Schwimmen gehen oder Spazieren gehen, oder Radfahren gehen. Deshalb ist es, glaube ich, auch ein trauriges Lied, weil ich war so (singt beschwingt): »Ich geh‘ heute baden.« Und in Wahrheit wollte niemand was machen in dem Sommer. Weil die jungen Leute in Wien einfach sehr träge sind oft. Und dann kommt dieser Dialog beim Lied und dann sag ich: »Gehen wir auf die Party«. Und das ist wieder die Sache, die Partys sind das einzige was noch übrig bleibt, glaube ich. Keiner macht mehr Sport, keiner geht Schwimmen, aber Party, das geht. Naja.

Eine gute Überleitung zum zweiten Album, »Down in Albern«. Wie ist der Titel gemeint? Etwa so: zwar »down«, also traurig, aber trotzdem lustig?
Ja, ein sehr vielschichtiger Titel. »Down in Albern« wurde nämlich tatsächlich in Albern aufgenommen, einem Stadtteil von Wien. Der ist wirklich ganz am Rand, da kommt man schwer hin. Und »Down in Albern« kommt vielleicht auch ein bisschen, glaube ich, von dem Babyshambles-Album »Down in Albion«. Und »down« passt geographisch gut und beschreibt auch gut diese Stimmung beim Aufnehmen, weil alle nur so herumhängen. Und »albern« (bzw. »Albern«) passt halt stadtteilisch gut und vielleicht auch – naja, »albern« sagt man bei uns nicht zu etwas Lustigem, aber ich weiß, dass es das Wort da gibt, im Sinne von »lustig«. Jaja. Ich denke, ein passender Titel für das Album.

In dem Lied »Du Oarsch« benutzt du Wiener Mundart. War das einfach als Witz gedacht oder hat das mehr zu bedeuten?
Ich hab so ein Nebenprojekt, The Euphoric Flenson heißt das. Dort singe ich mit verstellter Stimme, mit Verzerrung, dass man mich nicht erkennt. Ich singe Lieder im Dialekt, einfach zum Spaß, wenn mir sehr langweilig ist. Und »Du Oarsch« war auch so ein Lied, das hat mir ganz gut gefallen und deshalb habe ich es nochmal aufgenommen. Ich habe immer Dialektlieder geschrieben, aber ich habe sie nie hergezeigt. Versteht ihr das eigentlich?

Ja, das kann man schon verstehen.
Ich kann’s ja euch auch übersetzen.

Mir fällt gerade auf, im Lied »Weit, Weit, Weit« gibt es sowas wie »krawatisch«.
A-kro-batisch.

Akrobatisch! Ich dachte, das wäre ein Dialektwort, was ich nicht verstehe. Ich dachte auch an »kroatisch«.
Da wir gerade bei »Down in Albern« sind. Das erste Album ist vergleichsweise weniger elaboriert, instrumentiert und arrangiert als »Down in Albern«. Hast du die Arrangements selbst gemacht? Wer ist die Band im Hintergrund? Warum »mehr«? Vielleicht war es gerade die Stärke des ersten Albums, dass es so nahe und leise war?

Das ist Geschmackssache. Die Arrangements vom zweiten Album sind sehr verschieden. Da war einiges von anderen Leuten dabei, weil wir zu der Zeit mehr eine Band waren. Beim Aufnehmen hat sich jeder eingebracht. Ich wollte es einfach anders aufnehmen als das erste. Ich wollte etwas mehr hören und auch mehr mit anderen Leuten etwas machen. Das erste Album war nicht ganz so lustig zum Aufnehmen wie das zweite.

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»Vielleicht ist das schönste der Worte.«

Zu den Texten: Im Booklet des zweiten Albums steht der Satz, »Vielleicht ist das schönste der Worte«. »Vielleicht« und »Ich weiß nicht« sind Formulierungen, die bei dir sehr oft vorkommen…
»Vielleicht ist das schönste der Worte« steht da, weil »vielleicht« das Wort ist, das am öftesten vorkommt auf der zweiten Platte. Nämlich in fast jedem Lied kommt das Wort »vielleicht« vor, und das ist mir aufgefallen, und dann habe ich gedacht, ich schreibe irgendwas, fast eine Rechtfertigung, damit man das durchgehen lassen kann, dauernd »vielleicht« zu singen. Es ist vielleicht nicht das schönste, aber ich mag’s scheinbar, sonst würde ich es nicht so oft singen. Nur in den neueren Liedern singe ich es gar nicht mehr.

Aber das Fragende ist schon da.
Jaja. So bin ich halt wahrscheinlich, dass ich nie ganz genau sagen kann, was geht. Und dann sage ich halt »vielleicht«, »Wer weiß?«, »Ich weiß nicht«.

Man mag das Unverbindlichkeit nennen, was auch in den Texten gut rüberkommt. Mir sind zwei Dinge aufgefallen: einmal ein großer Wille zur Schönheit der Worte und zum anderen ein großer Wille zu Wortkombinationen, die sich nicht sofort erschließen. Man hat das schon irgendwo mal »Dada« genannt. Ergibt diese Benennung für dich Sinn?
Ich mag das Wort nicht.

Ich fand das auch nicht so klug.
Ja. Man muss wissen, dass ich viele Texte recht schnell schreibe. Manche brauchen ewig, und manche sind ziemlich schnell da. Es ist manchmal auch nur der Plan, der mir genügt, dass das ein guter Text ist. Und manchmal kommt zufällig auch eine Bedeutung aus dem Plan heraus. Aber viele Texte sind wirklich in großer Schnelligkeit geschrieben und ich verstehe sie dann auch erst nach einiger Zeit, wenn ich sie öfter singe. Aber bei manchen Texten, wie bei »Vollenden« (»Es geht immer ums Vollenden und den Superbowl«), war die Entstehung mathematisch. Wiederum andere Texte… wie »Ich bin es«, das habe ich in einer Minute geschrieben, da ist nichts weggelöscht und habe es einfach so abgesungen.

Das merkt man »Vollenden« an.
Das war ein Kampf. Das war nicht so einfach. Ich habe mir immer gedacht, irgendwas ist komisch, dass ich sowas überhaupt singe. Der Ursprungstext war: »Es geht immer ums Vollenden und den Weg dorthin zu sein«, und habe gedacht, das ist etwas leer. Und dann habe ich »Es geht immer ums Vollenden und den Superbowl« gesungen und dann hat’s gepasst. Es war ein Superbowl-Tag.

Der Klang der Worte und die Schnelligkeit sind also wichtig beim Schreiben, wenn auch nicht bei allen Liedern. Dazu passend fällt mir auch auf, das es in deinen Texten oft um etwas Rauschhaftes geht, z.B. in dem Stück »Weit sind die Weiten der weiteren Weiten«, sind da Bilder des Fliegens, des Schwimmens. Dazu kommt noch der Klebstoffschnüffel-Mythos, den du ja in einem anderen Interview schon als Mythos quasi geoutet hast. Welche Rolle spielt der (Drogen-)Rausch?
Naja. Wir in Wien, wir lieben ja vor allem den Wein. Sicher vor allem den Wein und das Bier. Es sind doch Träume, es kommt viel aus Träumen.

Arbeitest du direkt mit Träumen?
Naja jetzt gerade nicht, aber manche Sache kamen aus Träumen oder aus dem Moment, bevor man einschläft. Ich hatte auch mal so ein Ding (Nino zeigt auf das MP3-Aufnahmegerät) und hatte das neben meiner Matratze liegen, und habe da reingesprochen und daraus sind Lieder entstanden. Aber Drogen? Nein.

Was ist als nächstes geplant? Kommt wieder so schnell ein neues Album, eine Tour? In Berlin bist du ja ganz neu, aber in Wien bist du doch ein sehr bekannter Künstler. Ein bunter Hund.
In Wien spiele ich diesen Monat noch drei Mal, supporte die Neigungsgruppe im Flex, ein großer Ort. Aber dieses Jahr spiele ich meistens Solokonzerte, nächstes Jahr dann mehr mit Band. Und auch eine Tour durch Österreich ist geplant, Liechtenstein wahrscheinlich auch.

Geht’s auch nach Triest?
Ja, ich würde schon gerne, ich würde sehr gerne. Es ist mir ja egal, ob die mich verstehen oder nicht. Ich mag die Stadt halt. Ich würde einfach so zum Pizzaessen hinfahren und vielleicht ein paar Lieder singen. Ein neues Album? Ja, nächstes Jahr, kein genauer Zeitpunkt.

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»Es ist alles nicht so klar, es fließt alles zusammen.«

Eine Frage ist mir noch wichtig: als wir dich in Wien getroffen haben, hat es für mich den Eindruck gemacht, dass es dort eine Szene gibt, in der du fest verankert bist. Siehst du das auch so oder siehst du dich eher als sowas wie einen Einzelgänger?
Naja, ich habe schon ungefähr hundertmal im »rhiz« gespielt. Wenn ich irgendwo vielleicht dazugehöre, dann zum »rhiz«. Das ist mein Wohnzimmer, wahrscheinlich gar nicht mein zweites, sondern mein Wohnzimmer. In Wien gibt es einige Künstler, die ich mag, aber die kommen von allen möglichen Richtungen und Szenen, und das ist auch ganz gut so. Es ist alles nicht so klar, es fließt alles zusammen.

Aber ihr seht euch schon gegenseitig oft auf Konzerten, du gehst auf die Konzerte von anderen, sie spielen auf deinen Platten. Du spielst auch bei den anderen mit?
Naja, sie fragen mich ja nie. (lacht) Wahrscheinlich bin ich nicht ein toller Instrumentalist, und mitsingen lassen sie mich auch nie, aber das macht mir eh nichts.

Sind deutsche Texte für dich eine Selbstverständlichkeit oder hast du auch mal darüber nachgedacht, auf Englisch zu singen?
Ich hab schon ein paar englische Lieder gemacht.

Spielt Wien hier vielleicht auch wieder eine Rolle?
Sicher, Wien spielt immer eine Rolle. Auf Englisch kann man auch irgendwie witzige Texte machen, mit Wortspielereien und so, aber ich ignoriere es meistens. Ich singe meistens auf Deutsch. Ich finde Ja, Panik ganz cool, weil sie das mischen, und sie stehlen Textzeilen von Popliedern und übersetzen sie. Aber ich singe eher Deutsch. Ich kann auch Deutsch besser als Englisch.

| »Down in Albern« von Der Nino aus Wien ist bereits bei Problembär-Records erschienen
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