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Vom kunstvollen Übergang
Musik mit Anspruch muss nicht länger in den Ohren schmerzen: Lokai veröffentlichen ihr zweites Album
Text: Sebastian Hinz Foto: Lokai
»Transition«, lat. für Übergang, ist der Name des neuen Albums von Lokai. Ein vielfältiger Begriff, der in den unterschiedlichsten Bereichen seine Verwendung findet, in der Politikwissenschaft, in der Biologie, in der Geographie oder in den Gender Studies; und in diesen Disziplinen jeweils eine sehr genaue Bedeutung hat. Die zwei Wiener Musiker Florian Kmeth (Superlooper) und Stefan Németh (Radian) wählten sich diesen Titel nicht von ungefähr. Die neun Stücke ihres Werkes sind trotz ihres gemeinsamen minimalistischen Ansatzes sehr unterschiedlich in Klangfarbe, Instrumentierung und Stimmung, verweisen aber dennoch allesamt auf ein kompositorisches Prinzip, dass sich durchaus mit eben dem Wort »Transition« beschreiben lässt. Die Kompositionen setzen jeweils einen tonalen Ausgangspunkt und beschreiben folgend dessen »Übergang« in ein verdichtetes Gefüge. So beginnt das Eröffnungsstück »Roads« mit einem Gebrumm. Es knarrt und schnarrt und knattert. Dann setzt sich etwas in Bewegung und wird fünf Minuten lang nicht mehr ruhen, wird tänzeln und marschieren. »Tik«, am Ende des Albums, basiert auf einem gläsernen Ursprungslaut, der zunächst rhythmisiert, dann seine langsame Metamorphose beginnt, sich dabei völlig verliert und als das zarte Zupfen von Gitarrensaiten endet. Sämtliche Stücke folgen diesem Muster. Nichts überlassen die beiden 36-jährigen Österreicher dem Zufall, jeder Ton, jede Verschiebung, jede »Transition« ihrer minimalistischen Musik ist durchdacht und dennoch klingt das Resultat so locker und losgelöst, wie eine formlose Improvisation. Die englische Musikzeitschrift Wire formulierte daher sehr passend: »Kmet and Németh recording in a home studio in Vienna’s old town, drinking Schnapps and coffee in breaks between layering Rhodes piano, guitar, electronics and percussive strikes on the flat’s ancient heating system«. Dieses Album könnte also davon berichten, wie der Übergang von der Kompositionslehre in der Musikhochschule zum lässigen Abhängen mit Kumpels am Abend, vom Schlendern durch die Kunstgalerien, den ganzen Weg bis zurück ins traute Heim, das Lesen von philosophischen Essays und das Hören von Popmusik, absolut möglich ist.

| »Transition« von Lokai ist bei Thrill Jockey erschienen
| Lokai - Homepage
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