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Boca Blanco
Rob Mazurek und Chad Taylor haben mit ihrem fünften Album »Boca Negra« einmal mehr bewiesen, dass sie zur Speerspitze der internationalen Jazzszene zählen
Text: Sebastian Hinz
Im Zentrum des Jazz steht der Mund des schwarzen Mannes. Die Kunst des Jazz findet hier ihren Ausgangspunkt, ihr Ventil. Es ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Instrument. Vielleicht sollte jedes Jazzalbum »Boca Negra« heißen. Auch wenn Rob Mazurek, dem weiße Mittelstand Chicagos entsprungen, seit zwei Jahrzehnten dieses gefestigte Bild, diese Prägung, zu widerlegen weiß. Der Titel des neuen Albums des Chicago Underground Duos passt hier aber trotzdem - und sogar doppelt, weil neben der Wortbedeutung noch Rob Mazureks hispanophile Neigung als auch die gesamte, durch Ausgrenzung und Entgrenzung gekennzeichnete Musik afrikanischer Prägung mitschwingt. Was der Hornist Mazurek zusammen mit dem Schlagzeuger Chad Taylor hier musikalisch entwickelt, kann der Genialität des Titels (es könnte auch eine Flussmündung gemeint sein) allemal gerecht werden. Die Improvisationen hecheln, tirilieren, klopfen, pfeifen, rauschen und stampfen durch den Jazz der letzten fünfzig Jahre und schälen die Essenz einer Musik aus dem Dickicht der Musikhistorie. Gleichzeitig sind sie aber auch der Entwurf von etwas Neuem, Außenstehenden. Die ersten vier Minuten der Platte sind bloßes Aufwärmen, arhythmisches Klopfen, Gelenke freischütteln, Instrumentereinigen, Atemübungen von Rob Mazurek. Dann geht’s los! Taylor und Mazurek sind wahre Musiker. Sie wissen um die Effekte von Geschwindigkeit und Lautstärke, sind mal geschwind und mal langsam, mal laut und mal leise. Sie beherrschen aber auch die Zwischentöne. Das ist heutzutage, in Zeiten der Komprimierung von Musik, eben alles andere als selbstverständlich. Ton für Ton wird hier Musik entwickelt, der Sound konkretisiert und »Boca Negra« somit besser und besser. Das abschließende Stück »Vergeance« zeigt, dass sich Ruhe und Dynamik überhaupt nicht ausschließen müssen, und schafft es zwei duellierende Bläsermelodien zu verbinden, ohne dass sich diese auch nur ansatzweise berühren würden.

:: »Boca Negra« von Chicago Underground Duo ist bereits bei Thrill Jockey erschienen
:: Rob Mazurek - Homepage
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