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Trüben Auges blicken

Der dichte Ambient-Sound von Chihei Hatakeyama lässt nur wenig Licht durch. Auf »Ghostly Garden« macht der Tokyoter Klangkünstler entlegene Winkel, verfallene Stätten, schattiges Gewölbe hörbar

Text: Sebastian Hinz

Bislang hat es sich bei Chihei Hatakeyama stets gelohnt die »Packungsbeilage« zu lesen. Denn in den musikalischen Sujets des Klangkünstlers lag auch stets ein Konzept verborgen, dass einem durch bloßes Hinhören vielleicht nicht immer gleich erschloss. Bei seinem Albumdebüt »Minima Moralia« (auf Kranky) stand 2006 eine der wichtigen Schriften des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno schon im Namen Pate. Die im letzen Jahr veröffentlichten »Saunter« (auf Room40) und »The River« (auf Hibernate) waren inspiriert vom japanischen Zeichenstil »Sansui-Ga« bzw. von der aus Francis Ford Coppolas’ »Apocalypse Now« entlehnten Sinnspruch, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigen könne. »Ghostly Garden« gibt solche Hinweise zunächst nicht. Der Titel ist eher Stimmungswiedergabe, Landschaftsbeschreibung. Der Tokyoter Musiker macht sich diesmal ans Zeichnen von Stillleben unter Verwendung von am Rechner manipulierten Gitarren, Vibraphonen, Klavieren und Field Recordings. Gezeichnet werden dabei jene Flecken, die dem Licht abgewandt liegen: Schatten, Keller, Mauerblümchen. Mit trüben Auge schaut Hatakeyama die abgelegensten Wege entlang. Dass »Ghostly Garden« das dritte Album innerhalb nur eines Jahres ist, zeigt, wie sicher sich der Klangkünstler inzwischen seiner Ausdrucksmittel ist. Der Klang seiner Musik ist durchgehend kraftvoll und konzentriert. Richtig stark werden seine Kompositionen, wenn er wie in »Sight Trail« aus seinen gängigen Mustern und Soundvorlagen für einen Moment ausbricht und durch den Einsatz von Sprachsamples der Musik eine gewisse Fragilität entgegensetzt. Zum Träumen gehört halt auch das Wachen.

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:: »Ghostly Garden« von Chihei Hatakeyama ist bereits bei Own Records erschienen
:: Chihei Hatakeyama - Homepage



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